Station für Patienten mit Essstörungen
In einem unverbindlichen Informationsgespräch könnt Ihr Euch mit Euren Eltern einen Eindruck von der Essgestörtenstation und dem Behandlungskonzept verschaffen.
Falls es schon vorherige Behandlungen, Beratungen oder Diagnostik durch Kinderärzte und Psychologen gegeben hat, ist es hilfreich, wenn alle Befunde zu diesem Gespräch mitgebracht werden.
Bei Interesse wird zu Beginn des stationären Aufenthaltes durch weitere Eingangsgespräche genauer die Vorgeschichte des Problems geklärt und was Ihr Euch mit Euren Eltern von der Behandlung wünscht.
Etwa 12 Patient/innen sind für einen Zeitraum von etwa 2-4 Monaten auf unserer Station. Während des stationären Aufenthaltes hast Du einen eigenen Bezugstherapeuten, mit dem in Einzelgesprächen zunächst Gründe zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Essstörung geklärt werden können und darauf aufbauend Lösungsmöglichkeiten mit Dir gemeinsam gesucht werden.
Weitere wichtige Grundlagen für die Bearbeitung der Essstörung ist das Training eines normalisierten Essverhaltens und damit einhergehend das Erreichen eines individuell berechneten Mindestgewichts. Hierzu erhaltet ihr einen Essenplan, den ihr gemeinsam mit Eurem Therapeuten regelmäßig besprecht. Hierbei hilft unter anderem die Kochgruppe, bei der Ihr unter Anleitung selbst ausgesuchte Gerichte zubereitet, die auch schwierige Nahrungsmittel wie Sahne und Butter enthalten. In der wöchentlich stattfindende Genussgruppe könnt ihr wieder Erfahrungen in Achtsamkeit und Genuss machen.
Die Körpertherapeutin unterstützt Euch, in Einzel und Gruppenstunden, wieder ein besseres Gefühl für Euren Körper zu entwickeln, welches leider sehr häufig im Laufe der Essstörung verloren gegangen ist. Hierbei unterstützen Euch ebenso die Physiotherapeuten mit dem Erlernen von Entspannungstechniken und dem erneuten Erlernen eines normales Maßes an Bewegung und körperlicher Aktivität im Verlauf der stationären Behandlung. Ebenso kann das angebotene therapeutische Reiten eine gute Möglichkeit sein wieder einen Zugang zum eigenen Körper und dessen Kräften und Fähigkeiten zu bekommen.
Die Ergotherapie bietet Euch in Ergänzung mit den Einzel- und Familiengesprächen eine Möglichkeit die Gedanken und Gefühle, die im Laufe der Behandlung entstehen gestalterisch umzusetzen.
Innerhalb verschiedener Gruppenaktivitäten mit anderen Betroffenen geht es um die Erarbeitung von Lösungsstrategien unterschiedlicher Probleme, die Euch betreffen. In einer Gesprächsgruppe könnt Ihr gemeinsam mit den Mitpatienten Eure aktuellen Probleme besprechen und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Ebenso bietet das Soziale Kompetenztraining die Möglichkeit Schritte aus der häufig mit der Essstörung einhergehenden sozialen Isolation zu machen
Und natürlich begleitet Euch unser Pflegepersonal jeden Tag durch die kleinen und großen Sorgen, Ängste und auch Freuden und steht Euch mit Rat und Tat zur Seite.
Für den weiteren Verlauf nach dem stationären Aufenthalt ist es wichtig, dass ihr den Anschluss an die schulische Ausbildung nicht verpasst. In unserer Klinikschule erhaltet ihr Unterricht in den Hauptfächern und Kontakte zur Reintegration in die eigene Schule bzw. Ausbildungsstelle werden hergestellt.
Nach dem stationären Aufenthalt sind wichtige Grundlagen für ein Leben ohne Essstörung gelegt. Um diese Grundlage zu stabilisieren, besteht die Möglichkeit einer ambulanten nachstationären Betreuung.
Wenn Ihr mit Euren Eltern der Meinung seid, wir könnten Dir bzw. Euch helfen, dann bittet Eure Eltern einen Termin für ein unverbindliches Vorgespräch zu vereinbaren.
Familientagesklinik für Patienten mit Essstörungen
Die Behandlung essgestörter Kinder und Jugendlicher stellt Therapeuten und Familien vor eine große Herausforderung. Die häufig notwendige stationäre Aufnahme entlastet Eltern und Therapeuten nur kurzfristig. Nach der Entlassung kommt es oft zu einer erneuten Gewichtsabnahme und einer Wiederkehr anorektischer oder bulimischer Verhaltens- weisen und Denkmuster - Eltern stehen diesem Rückfall nicht selten ohnmächtig gegenüber.
In der Familientagesklinik bieten wir ein Therapieprogramm an, das eine sofortige, intensive und praktisch-alltagsnahe Einbeziehung der Eltern in die Therapie realisiert. Die Eltern bleiben damit in ihrer Verantwortlichkeit für ihr Kind und erlernen und erleben Kompetenz im Umgang mit der Krankheit.
5 bis 7 Familien bilden eine Therapiegruppe. Durch diese Multifamiliengruppen ergeben sich günstige Therapieeffekte, so z.B. die Schaffung von Solidarität und Hoffnung durch den Austausch mit anderen betroffenen Familien.
Die Behandlung in einer unserer Multifamilientherapiegruppen der Familientagesklinik erstreckt sich über ein Jahr mit insgesamt 20 Behandlungstagen.
Die Verteilung der Therapie-Tage über den Gesamtzeitraum ist zu Beginn von hoher therapeutischer Intensität geprägt, d.h., in den ersten 4 Monaten finden ca. 12 Behandlungstage statt, während sich die restlichen ca. 8 Therapietage über die verbleibenden 8 Monate erstrecken (therapeutische Kontinuität). Diese zeitliche Struktur erscheint, bezogen auf die Besonderheiten der Erkrankung, günstig, da zunächst durch eine intensive Behandlung eine rasche Gewichtsnormalisierung erreicht werden kann. Die Therapie muss allerdings nach dieser Etappe in eine kontinuierliche Weiterbehandlung übergehen, um nach Stabilisierung des Gewichtes eine psychische Stabilisierung zu erreichen.
Spezialambulanz für Patienten mit Essstörungen
In einem Erstgespräch, welches ca. 2 Stunden dauert, werden nach Essverhalten, Schule, Freizeit, Entstehung der Esstörung gefragt (Beginn, Dauer), es werden Fragen zu Deine kindlichen Entwicklung gestellt. Zudem wollen wir uns ein Bild von Deiner Familie machen. Auch klären wir mit Dir bereits im Erstgespräch wie eine ambulante Behandlung bei uns aussehen könnte und ob dies möglich ist, das heißt, ob eventuell eine stationäre oder tagesklinische Behandlung sinnvoller ist.
Wer erwartet mich dort?
Wir sind ein Team aus Psychologen und Ärzten, die auf die Behandlung von Patienten mit einer Essstörung spezialisiert sind.
Was an/Welche Therapien gibt es?
Wir arbeiten vor allem nach einem verhaltenstherapeutischen-systemischen Ansatz. Das heißt uns ist es einerseits wichtig mit Dir ein Modell zu entwickeln, was die Essstörung begünstigt, was Entstehungsmechanismen gewesen/sein könnten, ein sogenanntes Störungsmodell, und wie Du im weiteren damit für Dich gesund umgehen kannst. Es ist uns aber auch wichtig Deine Familie und Eltern mit einzubeziehen, also das „ganze System“ mit zu betrachten.
Andererseits ist es uns aber auch wichtig, mit Dir und Deine Familie eine regelmäßig Gewichtszunahme von 500 g/Woche zu erreichen. Dafür teilen wir zu Beginn Ernährungsprotokolle aus, um mit Dir und Deinen Eltern gemeinsam einen Essensplan aufzustellen.
Bevor wir aber in eine Therapie einsteigen, gibt es Kennenlerngespräche und ebenfalls teilen wir Fragebögen aus, um uns ein Bild von Deinen Problemen machen zu können und zu entscheiden, wie wir Dir am besten weiterhelfen können.
Eine Therapie bedeutet wöchentliche bzw. zweiwöchentliche Gespräch bei Deinem Therapeuten, zudem haben wir noch weitere Angebote wie unsere Familientagesklinik für Patienten mit einer Essstörung, bei der Du und Deine Eltern teilnehmen. Auch haben wir eine ambulante Gruppe aussschließlich für Jugendliche mit einer Essstörung. Falls Du mehr Fragen dazu hast, sprich diese in einem Erstkontakttermin an, wir beantworten diese gerne, oder geben Dir Informationsmaterial mit.
Darüber hinaus gibt es bei uns auch die Möglichkeit an Forschungsstudien bezüglich Anorexia nervosa teilzunehmen, auch darüber wird Dir Dein jeweiliger Therapeut gerne Informationen geben.
Was ist mitzubringen beim Erstgespräch?
Uns ist es wichtig, daß Du einerseits Befunde von Deinem Kinderarzt bzw. Hausarzt mitbringst, wie EKG und Blutbefunde, das heißt Elektrolyte, Blutbild, Leber- und Nierenwerte, damit wir entscheiden können, ob Du körperlich fit bist für eine ambulante Therapie.
Zudem wollen wir Dein Gelbes Kinderuntersuchungsheft sehen, und Deine Zeugnisse, um uns einen Eindruck über Deine kindliche und schulische Entwicklung zu verschaffen. Wichtig ist uns auch, daß Deine Eltern bzw. ein Elternteil, der für Dich sorgeberechtigt ist, bei einen ersten Gespräch mit anwesend ist.
Wie lange dauert ein Erstgespräch? An wen kann ich mich wenden, um einen Termin zu vereinbaren?
In der Regel dauert ein Erstkontakt 2 Stunden, wir benötigen die Zeit einerseits, um Dir und Deinen Eltern viele Fragen zu stellen, andereseits aber auch um mit Dir in Ruhe zu besprechen, wie es weitergehen könnte.
ambulante Gruppe für Mädchen mit Anorexie
Diese ambulante Gruppe richtet sich an betroffene Jugendliche, die sich bereits in ambulanter Behandlung befinden. In Rahmen dieser Gruppe hast Du die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Betroffenen Lösungswege im Umgang mit der Essstörung zu erlernen. Hierbei geht es einerseits um die Suche nach Auslösern für die Essstörung und gleichzeitig, weshalb immer wieder Gefahren lauern, dass die Essstörung Zeit und Platz Eures Lebens wegnimmt. In gemeinsamen Gesprächen und Übungen wird das Ziel verfolgt, Denkmuster und Verhaltensweisen zu erlernen, die solche Gefahren mehr und mehr vertreiben. Übungen, die speziell den Selbstwert stärken (z.B. Möglichkeiten finden, eigene Interessen durchzusetzen) sollen helfen, dass ihr einen Platz im Leben findet, an dem die Essstörung nichts mehr zu suchen hat.