ADHS-Therapie: Forscher sehen positive Langzeitwirkung von Methylphenidat

Ein Forscherteam aus Dresden, Göttingen, Oslo und Syracuse (USA, Bundesstaat New York) konnte in einer aktuellen Studie nachweisen, dass eine frühzeitige Behandlung mit Methylphenidat, das beispielsweise als Medikament Ritalin auf dem Markt ist, im Tiermodell langfristig eine Veränderung in Richtung der Werte normaler, gesunder Ratten bewirkt. Ähnliche Effekte fand das Forscherteam bei Ratten, die als Modell für die Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) – also ohne Hyperaktivität – gelten.

Die Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mit Methylphenidat wird bis heute kritisch diskutiert. Vor allem die mögliche Gefahr negativer Langzeitwirkungen wird trotz fehlender Belege immer wieder als Argument gegen eine solche Behandlung angeführt.

Eine 2001 veröffentlichte Arbeit an Ratten, die mit Methylphenidat behandelt worden waren, hatte langfristige Veränderungen im Dopaminsystem gezeigt, das u. a. für die Steuerung der Bewegung und Koordination zuständig ist. Dies wurde stellenweise als Hinweis interpretiert, dass ein Parkinson-Syndrom als Folge einer unzureichenden dopaminergen Aktivität droht.

„Unsere neuen Erkenntnisse stützen diese Interpretationen nicht, sondern weisen in die gleiche positive Richtung wie kürzlich veröffentlichte Ergebnisse zur Hirnentwicklung unter mehrjähriger Behandlung mit Methylphenidat bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS“, sagt der an der Studie beteiligte Prof. Veit Rößner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Dresdner Universitätsklinikums Carl Gustav Carus. „Vereinfacht sprechen die Ergebnisse der neuen Untersuchungen einmal mehr für die Notwendigkeit einer ausführlichen und fachlich fundierten Diagnosestellung der ADHS und liefern keinen Hinweis auf negative Langzeitfolgen.“

Entsprechend zeigen ehemals mit Methylphenidat behandelte Patienten auch Jahrzehnte später kein erhöhtes Risiko für Parkinson. „Auch wenn Tiermodelle viele wichtige Einblicke in bestimmte Bereiche des Gehirns bieten, muss vor der leichtfertigen Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen und dessen Krankheiten wie ADHS und Parkinson gewarnt werden“, betont Prof. Heinz Reichmann, anerkannter Parkinson-Forscher und Dekan der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus, im Hinblick auf die Interpretationen der Studie von 2001.

Die aktuelle Studie wurde unter dem Titel
„Methylphenidate normalizes elevated dopamine transporter densities in an animal model of the attention-deficit/hyperactivity disorder combined type, but not to the same extent in one of the attention-deficit/hyperactivity disorder inattentive type.“
soeben im angesehenen Journal „Neuroscience“ veröffentlicht.