Erfahrungsberichte

Erfahrungsbericht von Moritz (13 Jahre), Patient mit Anorexie

Tobsuchtzelle, Zwangsjacke und vergitterte Fenster...so sieht für fast jeden die klassische Psychiatrie aus! Oder besser Klapsmühle?

Ich musste unweigerlich einsehen, dass dieser Ort der sein wird, der mich vor Schlimmerem bewahrt und mich wieder aufbaut.

Als ich merkte, dass ich phasenweise jegliche Lust am Essen, und dem damit verbundenen Gewicht, verloren hatte und meine einzigen Erfolge das Abnehmen waren, sah für mich die Welt rosarot aus. Es hätte ewig so weiter gehen können mit der Hoffnung irgendwann das Gewicht erreicht zu haben, was man für besonders attraktiv hielt. Das Problem an der ganzen Sache war, dass ich manchmal dachte: “Scheiße, was machst du mit dir? Du kannst kaum noch eine Treppe ohne Probleme hochlaufen, der Schlaf ist die Hölle und du kannst dich keine 5 Minuten mehr konzentrieren!“

In diesen Phasen sah ich, dass ich langsam aber sicher auf einen Abgrund zuritt und versuchte mich mit aller Kraft zu kontrollieren! ...ich stand schon einmal vor einem solchen Abgrund, aber da redete meine Freundin so lange auf mich ein, bis ich mein Gewicht für sie und nicht für mich hielt. Jetzt aber wurden die Phasen der Beherrschung kürzer und die Phasen in denen die Magersucht aktiv war länger und intensiver. Ich wusste an diesem Punkt aber noch nicht, dass ich essgestört bin und informierte mich übers Internet, was das denn jetzt nun sein könnte und gab mir schließlich selbst die Diagnose.

Doch wenn die Beherrschung täglich schwindet...wie soll das da bloß gut ausgehen?

Es folgten jetzt Tage, in denen all meine Freunde auf mir rumhackten! „Geh doch endlich zum Arzt! Bitte!“, flehte am Ende schon fast eine meiner Klassenkameradinnen, die ich in meine schlimmsten Befürchtungen eingeweiht hatte. Ich erkannte: Ich muss jetzt etwas tun!

Also informierte ich mich über das Internet. Ich suchte keine Behandlung, sondern einen Ort an dem ich frei mit Experten über mein vermeintliches Problem reden konnte.

Als Junge steht man da natürlich vor einem Problem, denn wenn man in die Zeitungen schaut, stehen da nur Hilfen für Mädchen und junge Frauen ...aber ich erinnerte mich, dass meine Banknachbarin mit dem selben Problem in das Uniklinikum Dresden gegangen ist (was für eine Ironie des Schicksals) ...aber ich wollte ja nur Beratung und keine stationäre Aufnahme!

Im Internet fand ich das aber nochmals ausgeschrieben und ich beschloss mich einfach dorthin zu wenden! Seitdem sind 2½ Monate vergangen und trotz der manchmal nervigen Sicherheitsvorschriften bin ich froh hier zu sein.

Mein psychischer Zustand artete hier auf einmal in heftige Depressionen aus und ich glaube, die Sicherheitsvorschriften und der zeitige Weg hier her haben mich vor deutlich Schlimmeren bewahrt. Am Anfang hatte ich tierische Angst als einziger Junge nicht in die Gruppe aufgenommen zu werden, aber jetzt sind wir schon 2 Jungen und ich habe mich mit allen Mädchen super angefreundet. Na ja, das klingt jetzt so als ob das hier alles super wäre...aber so ist das natürlich auch wieder nicht, denn schließlich gibt man seinen vorherigen Lebensweg auf und ersetzt ihn durch einen besseren ...schlechteren? Das ist ein Punkt an dem man sich hier wohl nie richtig einig wird, aber wenn man dann endlich wieder durchstarten kann, dann akzeptieren die meisten diesen Weg. Es gibt hier total strenge Regeln und wenn es einem noch nicht so gut geht und das Gewicht sehr niedrig ist, liegt man gut und gerne 2 Monate, außer zu den 6 Mahlzeiten im Bett. Aber umso glücklicher ist man, wenn man hier merkt, dass sich etwas tut. Ich selbst war nicht so schlecht dran, sondern hatte nur ein paar kleine Nebenerscheinungen, die mir aus meiner jetzigen Sicht mein Leben zum Teil versaut haben. Aber zurück zum Irrenhaus! Um ehrlich zu sein, merkt man kaum, dass man auf einer psychiatrischen Station ist, eher in „einem Ferienlager mit therapeutischen Hintergrund“.

 

Erfahrungsbericht von Familie G. aus Rostock

Nach langer Odyssee (fast ein Jahr) und großer Ratlosigkeit auf allen Seiten sowie einigen Fehldiagnosen haben wir mit unserem 11-jährigen Sohn in der KJP der TU Dresden endlich professionelle Hilfe bekommen. Da das Störungsbild unseres Sohnes sehr komplex ist (war), stellte sich die Diagnostik als kompliziert dar. Unserem Sohn konnte hier aber letztlich gut geholfen werden. Ein wohl durchdachtes stationäres Konzept (Verhaltenstherapie, zwei Mal pro Woche Familienergotherapie und vieles mehr - nicht zuletzt die wöchentlichen Familiengespräche, in denen wir unsere Sorgen mitteilen konnten) haben zu großen Erfolgen geführt. Wir sind sehr froh und auch sehr dankbar, dass unserem Kind hier so hervorragend geholfen werden konnte und ihm Wege aus seiner Erkrankung aufgezeigt wurden. Dem wunderbaren Team von Herrn Professor Rößner (Ärzte, Psychotherapeutin, Ergotherapeutin und dem tollen Pflegeteam) möchten wir hiermit herzlich danken. Bei der rundum liebevollen Betreuung konnte selbst das Heimweh nicht allzu groß werden.

 

Erfahrungsbericht über die Familientagesklinik

Mein 13-jähriger Sohn und ich hatten große Probleme miteinander. Es gab Streit, der oft sehr schmerzhaft - nicht nur für mich als Mutter - endete. Gemeinsam versuchten wir, diese Probleme in den Griff zu bekommen.

Doch ohne Hilfe?

Die Besuche bei Therapeuten wurden von meinem 13-Jährigen total abgelehnt, auch die Familientagesklinik war mit dabei. Der eigentliche Auslöser war der angedrohte Fenstersprung, der für mich als Mutter absolut echt wirkte. Nun musste ich so schnell wie möglich handeln. Mit viel Zureden konnte ich meinen Jungen doch davon überzeugen, diese letzte Chance zu nutzen. So kam es, dass wir in der FTK aufgenommen wurden.

Das Konzept der FTK ist im Prinzip ganz einfach, es bedarf nur Ausdauer und Konsequenz, sich dieses anzueignen. Es gab sehr viele Gespräche mit den Therapeuten und den Betreuern. Der Austausch mit den anderen Eltern war ebenso eine Erfahrung, es gab Tipps und Hinweise für jeden. Es gab Familiengespräche und Ergotherapien, die ebenso wichtig für die Behandlung in der FTK waren.

Beim gemeinsamen Reiten konnten wir feststellen, wie unser Vertrauen zu einander bestellt ist. Es war für uns beide eine sehr positive Erfahrung. Mein Sohn und ich verbrachten eine sehr intensive Zeit miteinander. Wir nutzten die Zeit, den bessern Umgang mit uns selber und auch schwierigen Situationen zu meistern.

Diese Zeit ging leider viel zu schnell vorbei.

Nun heißt es für uns, die gesammelten Erfahrungen im Alltag umzusetzen. Keine Angst, auch hier bekommen Sie Hilfe an die Seite. Ich wünsche allen, die sich für die Familientagesklinik entscheiden, viel Glück und ein besseres Verständnis füreinander. 

Wir sehen nun wieder optimistisch in unsere Zukunft.

 

Erfahrungsbericht Familientagesklinik

Anorexie - das war die Diagnose, die mein Kinderarzt […] stellte. Meine 9- jährige Tochter wog damals bei einer Größe von 1,33 m nur 22 kg. Ich merkte zwar, dass das Essverhalten meiner Tochter immer schlechter wurde, Ihre Portionen immer kleiner und ihr Bewegungsdrang immer größer, aber auf das wäre ich sicher nicht gekommen. Nachdem ich mehrere Ärzte und Psychologen konsultiert habe und merkte, dass wir keine Hilfe bekamen, suchte ich im Internet und stieß auf die KJP in Dresden.

Zum Glück, denn das war unsere Rettung gewesen. Es war nicht einfach die Familie zu trennen, aber wir wussten, das war die einzige Chance, dass unsere Tochter gesund wird. Meine Tochter und ich zogen kurzerhand für ein halbes Jahr nach Dresden und begannen mit der Psychotherapie und der Familientagesklinik.

Von Anfang an fühlte ich mich gut aufgehoben und meine Hilfslosigkeit, die ich vorher spürte, wurde mir genommen. Eingebunden in die Gemeinschaft mit den anderen Familien in der Familientagesklinik, die die gleichen Probleme hatten, fühlte man sich verstanden.
Ich will nicht sagen, dass alles rosig war, die erste Zeit war nicht einfach. Meine Tochter wehrte sich gegen den Essensplan, gegen die eingeschränkte Bewegung usw. Aber in der Gemeinschaft und mit der Hilfe der wunderbaren Therapeuten, die Ihre Arbeit einfach gut machen, ging es plötzlich.

Nun ist, seit wir nach Dresden gegangen sind, ein Jahr vergangen. Seit Ende September sind wir wieder zurück […], kommen aber zu allen Terminen der Familientagesklinik wieder nach Dresden, was auch gut ist. Die Kontrolle ist wichtig. Und auch die guten Hinweise und schönen Gesprächsrunden miteinander während der Familientagesklinik sind sicher der Schlüssel zum Erfolg der Therapie.

Ich habe plötzlich ein anderes Kind voller Lebenslust und sprudelnder Energie und das verdanke ich ganz klar der KJP in Dresden und dem wunderbaren Team. Ihr Konzept ist einfach sehr gut. Ich bin mir sicher, dass wir das alleine sicher nicht geschafft hätten.

Ein großes Danke, dass Sie mein Kind gerettet haben.

 

Erfahrungsbericht von Familie K. aus Dresden

Our daughter (16 years old) was in the „Station für Tic- u. Zwangsstörungen“ of the “Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie“ at the University hospital of TU Dresden during four months. At the moment of admission she had severe neurosis and her condition was very bad. The courses of outpatient treatment were unsuccessful. She was not able to attend the school for 5 months and situation changed for the worse. In the Station 4 our daughter received proper pharmacological treatment and specialized psychotherapy.

In our opinion, the idea and the realization of this specialized ward are excellent. The work of the Station 4 personnel gave very positive results and drastic reduction/disappearance of almost all symptoms of the disease. Our daughter returned to the normal life. During this time, our daughter get a lot of sports and physiotherapy.  It improved much her physical status as well. Now she attends school (it is almost two months to this moment) and her scores are only one and two. We would like to thank all personnel of the „Station für Tic- u. Zwangsstörungen“, who made it possible.

Especially, we wish to express our sincere gratitude to the psychotherapist Ms.Teubert whose qualified work helped a lot to our daughter.