Stress & Substanzabhängigkeit im Jugendalter - Dr. Golub

Substanzmissbrauch und -abhängigkeit sind komplexe Krankheitsbilder, welche besonders in der Adoleszenz zu gravierenden Störungen der kognitiven und emotionalen Entwicklung, und zu Verhaltensveränderungen führen kann. Viele dieser Auswirkungen, aber auch die Risikofaktoren für Substanzabhängigkeit bei Jugendlichen, sind jedoch bisher unzureichend erforscht. Durch eine enge Verflechtung von Forschung und Praxis versuchen wir, für jugendliche Patienten der Spezialambulanz für Suchterkrankungen des Kindes- und Jugendalters die bestmögliche Diagnostik und Behandlung zu gewährleisten, sodass langfristige Erfolge erzielt werden können.

 

Projekte

Molekulare und (epi-) genetische Biomarker für Abhängigkeitsvulnerabilität

Die meisten Jugendlichen mit Suchtstörungen leiden unter komorbiden psychiatrischen und somatischen Erkrankungen, die entweder durch den Konsum ausgelöst werden oder bereits prämorbid existierten.  Dies unterstützt die wissenschaftliche Ansicht, welche Suchterkrankungen als systematische Erkrankungen beschreibt, die sowohl Veränderungen im Gehirn als auch im peripheren Gewebe hervorrufen.

Es werden  Veränderungen in mehreren physiologischen und neuronalen Systemen festgestellt, die entweder biologische Risikofaktoren, und somit eine wichtige Rolle innerhalb der Pathogenese spielen, oder Folgen des Konsums sind. Aus diesem Grund untersuchen wir periphere  molekulare und epigenetische Veränderungen bei jugendlichen Patienten mit Substanzkonsum und -abhängigkeit und deren Familienmitgliedern. Ziel ist hierbei die Identifikation früher Biomarker, die eine spätere Krankheitsentwicklung und -verlauf vorhersagen können. Pränatale Einflussfaktoren auf die kindliche Gehirnentwicklung und  das Entstehen kinder- und jugendpsychiatrischer Störungen

Wir untersuchen anhaltende Effekte von in utero-Ereignissen (wie pränatales Trauma, mütterlicher Alkoholkonsum oder Depression in der Schwangerschaft) auf die Gehirnentwicklung und das Verhalten der Kinder. Dabei wurden die Veränderungen in der Regulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achsenfunktion (HHNA-Achse) als ein grundlegender Mechanismus für die Auswirkungen eines pränatalen Traumas auf die Nachkommen identifiziert. Bei pränatal alkohol-exponierten Kindern zeigten wir, wie ein aversives in-utero Ereignis durch epigenetische Veränderungen Einfluss auf die kognitive Entwicklung und das Verhalten  nehmen kann. Zusammengefasst heben unsere Arbeiten die Bedeutung der pränatalen Zeit für die kindliche Entwicklung hervor; sie tragen somit zu einem besseren Verständnis bei, welche Faktoren und Mechanismen die Entwicklung psychischer Störungen im Kindes und Jugendalter begünstigen bzw. verhindern können.

 

Identifizierung früher klinischer Marker für Abhängigkeitsvulnerabilität

Wir beschäftigen uns mit der Erforschung von klinischen Risikofaktoren für die Entwicklung von Substanzabhängigkeiten in Adoleszenz, der Vorhersage von Vulnerabilität für die Abhängigkeitsentwicklung und der Therapiewirksamkeit. Im Fokus liegen hierbei Prozesse innerhalb der Kindheit und frühen Jugend, familiäre Bedingungen sowie die komorbiden kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen.

 

Stress und Substanzabhängigkeit

Ein besonderes Forschungsinteresse unserer Arbeitsgruppe besteht in der Untersuchung des Zusammenhangs von Substanzabhängigkeit und Stress. Im Zuge des Überganges von Substanzmissbrauch zu Substanzabhängigkeit durchläuft eine Suchterkrankung zahlreiche Stadien, von Intoxikation über eine Wirkabnahme bis hin zu anschließender erneuter Antizipation. Dieser Prozess zeigt sich sowohl in einer Herabregulierung des Belohnungssystems als auch einer Hochregulierung des Stresssystems. Zusätzlich zeigen sich Suchterkrankungen häufig mit stressvollen Lebensereignissen und einer positiven Traumanamnese verbunden. Die Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achsenfunktion (HHNA-Achse bzw. Stressachse) ist wiederum eng mit Veränderungen der Affektivität (z.B. Depression, Angst), aber auch mit suchtbezogenem Verhalten verbunden. Im Rahmen unseres Forschungsprojektes werden aus diesem Grund Veränderungen innerhalb des Stresssystems durch Messungen von basalen, reaktiven und kumulativen Cortisolwerten und ihre Verbindung zu der Entwicklung einer Substanzabhängigkeit untersucht. Mithilfe dieser Erkenntnisse erhoffen wir uns, Unterschiede innerhalb der individuellen Resilienz und Vulnerabilität für Abhängigkeitsentwicklung sowie heterogenes Ansprechen auf Behandlungsmethoden besser verstehen zu können.

 

Entwicklung und Anwendung neuer Behandlungsmethoden für Suchtstörungen im Jugendalter

Viele der aktuell vorhandenen Behandlungsangebote bei Suchterkrankungen richten sich an erwachsene Patienten, das Angebot für jugendliche Patienten zeigt sich jedoch als verhältnismäßig gering, ebenso liegen wenige Therapiestudien zu der Wirksamkeit unterschiedlicher Behandlungsangebote bei Jugendlichen mit Substanzabhängigkeit vor. Wir haben als Ziel die Adaption, Durchführung und anschließende Evaluation neuer therapeutischer Behandlungsmethoden im Jugendalter. Bei einer dieser Methoden handelt es sich um das in den USA entwickelte Matrixmodell, ein komplexes therapeutisches Verfahren für die Behandlung von Suchterkrankungen. Als wichtiger Teil des therapeutischen Programms wird weiterhin eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern unserer Patienten angestrebt, um diese umfassend über die Erkrankung ihres Kindes informieren und dysfunktionale Kommunikationsstrukturen innerhalb der Eltern-Kind Beziehung ändern zu können. Auf diesem Wege hoffen wir, eine Reduktion von Schuldzuschreibungen, Wut und Frustration innerhalb der Interaktion sowie ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden emotionalen Schwierigkeiten bei Suchterkrankungen zu erwirken.

 

Alle Originalarbeiten

  1. Frey S, Eichler A, Stonawski V, Kriebel J, Wahl S, Gallati S, Goecke TW, Fasching PA, Beckmann MW, Kratz O, Moll GH, Heinrich H, Kornhuber J*, Golub Y*. Prenatal alcohol exposure is associated with adverse cognitive effects and distinct whole-genome DNA methylation patterns in primary school children. Accepted Frontiers in Genetics.
  2. Golub Y, Panaseth K, Grimm J, Raabe E, Goecke TW , Fasching P, Beckmann MW, Kornhuber J, Kratz O, Heinrich H, Moll GH, Eichler A. Saliva and Hair cortisol as biomarkers of internalising symptoms in 6-8 year old children. Accepted developmental psychobiology.
  3. Stonawski V, Frey S, Golub Y, Moll GH, Heinrich H, Eichler A. [Epigenetic modifications in children associated with maternal emotional stress during pregnancy]. Z Kinder Jugendpsychiatr Psychother. 2017 Mar 3:1-13.
  4. Golub Y, Canneva F, Funke R, Frey S, Distler J, von Hörsten S, Freitag CM, Kratz O, Moll GH, Solati J. Effects of in-utero environment and maternal behaviour on neuroendocrine and behavioural alterations in a mouse model of prenatal trauma.  Dev Neurobiol. 2016;76(11):1254-1265. 
  5. Funke R, Eichler A, Distler J, Golub Y, Kratz O, Moll, GH. (in press) Stress system dysregulation in pediatric generalized anxiety disorder associated with comorbid depression. Stress and Health. 2016
  6. Canneva F, Golub Y, Distler J, Dobner J, Meyer S, von Hörsten S. DPP4-deficient congenic rats display blunted stress, improved fear extinction and increased central NPY. Psychoneuroendocrinology. 2015; 53: 195-206.
  7. Solati J, Kleehaupt E, Kratz O, Moll GH, Golub Y. Inverse effects of lipopolysaccharides on anxiety in pregnant mice and their offspring. Physiol Behav. 2015; 139:369-74.
  8. Schöpf I, Easton AC, Solati J, Golub Y, Kornhuber J, Giese KP, Müller CP.αCaMKII autophosphorylation mediates neuronal activation in the hippocampal dentate gyrus after alcohol and cocaine in mice. Neurosci Lett. 2015; 30; 591:65-8
  9. Solati J, Hajikhani R, Golub Y. Activation of GABAA receptors in the medial prefrontal cortex produces an anxiolytic-like response. Acta Neuropsychiatr. 2013; 25(4):221-6.
  10. Easton AC, Lucchesi W, Lourdusamy A, Lenz B, Solati J, Golub Y, Lewczuk P, Fernandes C, Desrivieres S, Dawirs RR, Moll GH, Kornhuber J, Frank J, Hoffmann P, Soyka M, Kiefer F; GESGA Consortium, Schumann G, Peter Giese K, Müller CP, Treutlein J, Cichon S, Ridinger M, Mattheisen P, Herms S, Wodarz N, Zill P, Maier W, Mössner R, Gaebel W, Dahmen N, Scherbaum N, Schmäl C, Steffens M, Lucae S, Ising M, Müller-Myhsok B, Nöthen MM, Mann K, Rietschel M. αCaMKII autophosphorylation controls the establishment of alcohol drinking behavior. Neuropsychopharmacology. 2013; 38(9):1636-47.
  11. Easton AC, Lourdusamy A, Havranek M, Mizuno K, Solati J, Golub Y, Clarke TK, Vallada H, Laranjeira R, Desrivières S, Moll GH, Mössner R, Kornhuber J, Schumann G, Giese KP, Fernandes C, Quednow BB, Müller CP. αCaMKII controls the establishment of cocaine's reinforcing effects in mice and humans. Transl Psychiatry. 2014;7;4:e457.
  12. Solati J, Hajikhani R, Golub Y. Activation of GABAA receptors in the medial prefrontal cortex produces an anxiolytic-like response. Acta Neuropsychiatr. 2013 Aug;25(4):221-6.
  13. Sauerhoefer E, Pamplona FA, Bedenk B, Moll GH, Dawirs RR, von Hörsten S, Wotjak CT, Golub Y. Generalized contextual fear and avoidance after fear incubation depend on associative rather than non-associative memory components. Behavioural Brain Rsearch 2012, 30; 233(2):483-493.
  14. Herrmann L, Ionescu I, Henes K, Golub Y, Wang N, Buell DR, Holsboer F, Wotjak CT,  Schmidt U. Neuropeptide S (NPS) and Fluoxetine Counteract Trauma Stress-Induced Long-Term Reduction of Hippocampal Synaptic Protein Expression. PLoSONE 2012, 7(8); e42603.
  15. Golub Y, Kaltwasser SF, Mauch CP, Herrmann L, Schmidt U, Holsboer F, Czisch M, Wotjak CT. Reduced hippocampus volume in the mouse model of Posttraumatic Stress Disorder. Journal of Psychiatric Research, 2011; May;45(5):650-9. 
  16. Dahlhoff M, Siegmund A, Golub Y, Wolf E, Holsboer F, Wotjak CT. AKT/GSK-3beta/beta-catenin signalling within hippocampus and amygdala reflects genetically determined differences in posttraumatic stress disorder like symptoms. Neuroscience. 2010; 169(3):1216-26.
  17. Golub Y, Mauch CP, Dahlhoff M, Wotjak CT. Consequences of extinction training on associative and non-associative fear in a mouse model of Posttraumatic Stress Disorder (PTSD). Behav Brain Res. 2009; 28;205(2):544-9.
  18. Golub Y, Berg D, Calne D, Pfeiffer R, Uitti R, Stoessl J, Wszolek Z, Farrer M, Mueller J, Gasser T, Fuchs J. Genetic factors influencing age at onset in LRRK2 linked Parkinson disease. Parkinsonism Relat Disord. 2009; 15(7):539-41. 
  19. Fuchs J, Tichopad A, Golub Y, Munz M, Schweitzer K, Wolf B, Berg D, Mueller J and Gasser T. a-synuclein expression in blood and brain depends on genetic variability. FASEB J. 2008; 22(5):1327-34.

 

Ansprechpartner:
Dr. Yulia Golub
Tel. 0351 458 3576