Behandlungsschwerpunkte

Aufgrund unserer langjährigen Erfahrungen in der klinischen Versorgung und in Forschungsvorhaben bieten wir Ihnen zu folgenden Störungsbildern besondere Expertise in Diagnostik und Behandlung.








ADHS

Unsere Spezialangebote und Anmeldung

Ein Ersttermin in unserer Ambulanz:

Zunächst wird ein Termin telefonisch über die Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie vereinbart. In diesem telefonischen Vorkontakt werden erste Angaben erfragt und anschließend wird mit Ihnen ein Termin vereinbart. Wichtig ist, dass alle Sorgeberechtigen diesem Termin zustimmen. Das Gespräch dauert meist 1,5 – 2 Stunden. Es ist für uns sehr wichtig, dass zu diesem Termin das U-Heft, alle Zeugnisse, ein Schulheft ihres Kindes (um die Schrift einzuschätzen) und wenn vorhanden auch alle Vorbefunde oder Gutachten mitgebracht werden.

Die Erstgespräche führt entweder ein Arzt, ein Psychologe oder beide gemeinsam durch.

Das Ziel des Gesprächs ist es, Sie kennen zu lernen und ihre aktuellen Probleme und Sorgen zu erfahren, aber auch, was Sie sich von einer Behandlung erhoffen und erwarten. Gemeinsam werden wir zum Ende des Gesprächs schauen, ob und in welchen Umfang weitere Diagnostik notwendig ist, oder welche therapeutischen Schritte wir empfehlen können. Wenn sie bereits bei einem Kinder- und Jugendpsychiater in Behandlung sind und sie sich nur eine Zweitmeinung wünschen, reichen manchmal nur ein einziger oder auch wenige Termine aus. Oft sind die Familien unsicher, ob die vorgeschlagenen weiteren Möglichkeiten für sie das Richtige sind oder wir müssen Vorbefunde anfordern, so dass wir einfach weitere Termine vereinbaren würden. Dies kann manchmal helfen, um die richtigen Schritte gut zu planen. (Dies kann die Teilnahme an einer unserer ambulanten Gruppen, eine medikamentöse Behandlung oder auch eine intensivere Therapie wie beispielsweise in einer unserer Tageskliniken oder auf Station umfassen.)

A2b - Spezialambulanz für ADHS.pdf

 

Ein ambulantes Vorgespräch auf Station:

Wenn Familien schon sehr viel versucht haben und weiterhin unklar ist, ob wirklich ein ADHS vorliegt oder auch alle bisherigen Behandlungen keinen Erfolg brachten, ist eine stationäre Diagnostik und Therapie eine Möglichkeit. Dies hat den Vorteil, das geschulte Fachkräfte das Kind den ganzen Tag in verschiedenen Situationen beobachten können (Klinikschule, Ergotherapie, Physiotherapie, bei Freizeitaktivitäten oder auch beim typischen Alltagsaufgaben wie Essen und Zähne putzen). In einem unverbindlichen Vorgespräch, welches sie über unsere Anmeldung vereinbaren können, besprechen sie mit einem Kollegen von Station die aktuellen Probleme und gemeinsam entscheiden Sie, ob ein stationärer Aufenthalt für Ihr Kind sinnvoll ist oder nicht.

 

Ein ambulantes Vorgespräch in einer unserer Tageskliniken:

Wenn sich Familien dazu entschließen, gemeinsam an ihren Problemen zu arbeiten, ist unsere Familientagesklinik für Kinder zwischen 3-12 Jahren genau das Richtige. Jugendliche, die gern an sich arbeiten wollen, aber nicht den Kontakt zum Alltag verlieren wollen, können sich an unsere Jugendlichentagesklinik wenden.

 

Multifamiliengruppen der ADHS Ambulanz der Uniklinik Dresden

Auffällig häufig treten neben den Kernsymptomen Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörung, Impulsivität und Hyperaktivität auch soziale Probleme auf. Kinder und Familie leiden gerade unter diesen Problemen. Daher ist es sinnvoll, neben Behandlungen die auf die Kern-Symptomatik abzielen, auch Angebote zur Verbesserung der sozialen Fertigkeiten anzubieten.
Soziale Fertigkeiten können am besten in einer Gruppe mit anderen Kindern geübt werden. Man kann z. B. lernen, besser mit Wut, Angst oder anderen Gefühlen umzugehen, oder auch Ideen sammeln, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten kann. Auch kann trainiert werden, wie man andere Menschen besser versteht und weniger Auseinandersetzungen hat.

Welche Gruppen gibt es?

Diese Gruppe richtet sich an Kinder mit AD(H)S und zusätzlichen Ängsten, Unsicherheiten in sozialen Kontakten oder Traurigkeit.
AD(H)S-Gruppe für Kinder mit zusätzlichem oppositionellem Problemverhalten:
Diese Gruppe richtet sich an Kinder mit ADHS und zusätzlichen Schwierigkeiten im Verhalten, z. B. Probleme, sich an Regeln zu halten oder Wutanfälle.

Wer kann teilnehmen?

ADHS Patienten zw. 5. und 12. LJ. Da es sich nicht ausschließlich um Kindergruppen handelt, müssen die Eltern bereit sein, an ca. der Hälfte der Termine gemeinsam mit ihrem Kind teilzunehmen. In einem Vorgespräch für die Gruppe können Eltern, Kinder und Therapeuten gemeinsam entscheiden, ob eine Teilnahme sinnvoll erscheint und an welchen Zielen gearbeitet werden soll.

Wie läuft eine Gruppe ab?

Die Gruppenbehandlung ist auf 10-12 Termine verteilt, die jeweils in einem Schulhalbjahr liegen. Die Therapie besteht aus mehreren Behandlungsbausteinen, so finden Multifamiliengruppen (alle Kinder nehmen mit Eltern teil), Kindergruppen (nur die Kinder nehmen teil) und Elterngruppen (nur die Eltern nehmen teil) zusammengesetzt. Jedes Kind hat individuelle Ziele, an denen gearbeitet wird.

Allgemeine Informationen

Für das Krankheitsbild ADHS gibt es eine ganze Reihe verschiedener Namen und Abkürzungen, die teilweise sehr verwirrend sein können. Dabei den Überblick zu behalten, ist nicht ganz einfach. In Deutschland gibt es den Begriff Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS), Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Hyperkinetische Störung (HKS). In der Schweiz wird die Erkrankung Psychoorganisches Syndrom genannt und International Attention Deficit Disorder (ADD) bzw. Attention Deficit/Hyperactivity Disorder (ADHD).
Die Leitsymptome des ADHS sind Unaufmerksamkeit (Aufmerksamkeitsstörung, Ablenkbarkeit, nicht bei einer Sache bleiben können), Überaktivität (Hyperaktivität, motorische Unruhe, auf dem Stuhl zappeln, nicht sitzen bleiben können, ständig in Bewegung sein) und Impulsivität („rein reden“, Telefonate der Eltern unterbrechen, „erst Handeln, dann nachdenken“).

Die Symptome müssen bereits vor dem 6. Lebensjahr begonnen haben und mindestens 6 Monate andauern. Die Kinder müssen aufgrund der Symptome in mindestens zwei Lebensbereichen (z. B. Schule und Sportverein) beeinträchtigt sein. Erst wenn diese Kriterien erfüllt sind, kann die Diagnose vergeben werden.

Das ADHS ist eine häufige Störung im Kindes- und Jugendalter und betrifft Jungen mehr als Mädchen. Bei einigen Kindern und Jugendlichen verschwindet die Symptomatik in der Pubertät, bei 30-60% bleiben die Probleme allerdings bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Nach den amerikanischen Diagnosekriterien kann man drei Subtypen unterscheiden. Dies sind zum Einen Kinder, die sowohl eine Aufmerksamkeitsstörung als auch eine Hyperaktivität und Impulsivität zeigen, dann Kinder, die vorwiegend eine Aufmerksamkeitsstörung aufweisen („Träumer“) und weniger hyperaktiv und impulsiv sind und zuletzt Kinder, die vorwiegend hyperaktiv und impulsiv sind und bei denen die Aufmerksamkeitsstörung im Hintergrund steht („Zappelphilipp“). In Deutschland ist dies nicht ganz so klar zu trennen. Die Diagnose der einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0, allg. ADHS) wird an Kinder mit Hyperaktivität, Impulsivität und Aufmerksamkeitsstörung vergeben. Kinder die vorwiegend Aufmerksamkeitsprobleme und weniger Hyperaktivität und Impulsivität zeigen, bekommen in Deutschland die Diagnose „Sonstige näher bezeichnete Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend“ (F98.8 ADS), wobei unter diesem Diagnoseschlüssel auch ganz andere Verhaltensprobleme zusammengefasst werden. Falls Kinder zusätzlich zur Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität, Impulsivität, deutliche Störungen im Sozialverhalten aufweisen, gibt es die Diagnose der „hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens“ (F90.1).

Um die Diagnose eines ADHS/ADS korrekt zu stellen, muss ausgeschlossen werden, dass die Symptomatik eine andere Ursachen hat. Zum Beispiel können Kinder, die in der Schule unter- bzw. überfordert sind, ähnliche Probleme entwickeln. Oder auch Kinder, die unter einer Intelligenzminderung, einer Angststörung oder einer Depression leiden, haben häufig ADHS-ähnliche Probleme. Auch müssen körperliche Ursachen ausgeschlossen werden (zum Beispiel eine Schilddrüsen Über- oder Unterfunktion). Weiterhin ist natürlich das Lebensumfeld ein wichtiger Einflussfaktor auf die kindliche Entwicklung. Wichtig ist auch zu sehen, dass ein gewisses Maß an Aufmerksamkeitsproblemen, Hyperaktivität und Impulsivität ganz normal oder auch Teil des Temperamentes des Kindes ist.

Was die Ursache des ADHS/ADS ist, ist bis heute nicht ganz eindeutig geklärt. Man geht davon aus, dass es eine vererbbare Anfälligkeit für die Entwicklung dieser Erkrankung gibt, die zu einer Störung der Botenstoffe im Gehirn führt. Weiterhin gibt es auch Theorien zu leichten Veränderungen im Gehirn, oder es wird der Zusammenhang zu Geburtskomplikationen diskutiert. Bestimmte Umgebungsbedingungen des Kindes sind allerdings entscheidend für die Schwere der Symptomatik.

Wenn die Diagnose eines ADHS/ADS korrekt gestellt ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Häufig können Aufklärung, gute Zusammenarbeit und gemeinsame Absprachen mit der Schule oder dem Kindergarten sehr hilfreich sein.

Als weiteres hat sich ein spezielles Training für Eltern als sehr wirksam erwiesen. In diesem können die Eltern lernen, mit den Besonderheiten ihres Kindes umzugehen. Einige Kinder können einen Nutzen aus einem Konzentrationstraining oder dem Üben sozialer Fähigkeiten gewinnen. Als wahrscheinlich die schnellste und wirksamste Behandlung haben sich die Medikamente gezeigt, welche aber immer in Kombination mit anderen Behandlungsmöglichkeiten eingesetzt werden sollten.

Die Spezialambulanz wird von Funktionsoberärztin Dr. Kokenge geleitet.
 

Für Eltern

Liebe Eltern und Angehörige,

kaum ein psychisches Störungsbild und seine Behandlung haben in den letzten Jahren so viel Diskussionen in der Öffentlichkeit hervorgerufen wie die Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit (ADHS) und ohne Hyperaktivität (ADS).

Einige sehen darin eine Modediagnose und andere eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Daher ist eine notwendige Sachkenntnis und eine Auseinandersetzung mit den betroffenen Kindern und der Familie erforderlich, gerade im Hinblick auf die viel geschilderten Belastungen und Probleme im Umgang im Alltag (Eltern, Geschwister, Lehrer, Erzieher), die zu einem Wechselspiel und schließlich zur Entstehung eines Teufelkreislaufes beitragen können. Daher ist bei beobachteten und berichteten Verhaltensauffälligkeiten ein rasches Handeln erforderlich und impliziert vor der erforderlichen Therapie eine Basis- und Differentialdiagnostik.

Die Diagnose setzt sich wie ein Mosaik zusammen, dessen Teile zueinander passen müssen. Dafür ist ein Zusammenschluss von Eltern, Lehrern, Erzieher, Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin sowie Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeuten zum Wohle des Patienten zu einem Bündnis, erforderlich.

Die Basisdiagnostik besteht bei uns aus grundlegenden medizinischen Untersuchungen, psychologischen Testungen und Beobachtungen von Eltern, Lehrern und Erziehern zusammen. Des Weiteren erfolgt eine gründliche Erhebung der Vorgeschichte (störungsspezifische Anamnese) und Familienanamnese. Mittels Fragebögen an Eltern, Lehrer und Erzieher werden gezielt die Auffälligkeiten im Verhalten des Kindes in unterschiedlichen Situationen untersucht. Dabei werden Entwicklungsstand und Umgebungsfaktoren des Kindes (Schule; Familie; Freunde etc.) berücksichtigt. In einer körperlichen Untersuchung werden körperliche Krankheiten ausgeschlossen und mögliche Entwicklungsrückstände sowie Pflege- und Allgemeinzustände zu erfassen. Durch weitere Laboranalysen und ein EKG können weitere körperliche Erkrankungen ausgeschlossen werden. Die neurologische Untersuchung schließt neurologische Erkrankungen aus und ermittelt, ob in Bewegungsmustern der Kinder Auffälligkeiten bestehen. Zum Ausschluss eines Anfallsleiden oder anderer organischer Hirnerkrankungen wird ein EEG beauftragt. Des Weiteren müssen das Hör- und Sehvermögen des Kindes getestet werden.

In den psychologischen Untersuchungen wird mit standardisierten Testverfahren die Intelligenz ermittelt und in weiteren Tests zur Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitsspanne und Merkfähigkeit untersucht. Besonderes Augenmerk gilt den genannten Teilfunktionen, über deren Testung sich z. B. Hinweise für eine mögliche Lese- und Rechtschreibschwäche oder Rechenschwäche ergeben.

Wenn durch die Diagnostik eine ADS oder ADHS diagnostiziert wurde, sind weiterhin mit Schwierigkeiten zu kämpfen oder tauchen Fragen zur Erkrankung und zur Behandlung auf.

Unser multimodales Therapiekonzept berücksichtigt die individuelle und Kombination aus verschiedenen Therapieformen.

Eine Psychopharmakotherapie wird im Einzelfall entschieden und bedingt die Fähigkeit zur Compliance (Mitarbeit). Falls eine entsprechende Indikation dafür besteht, wird eine medikamentöse Einstellung in unserem Haus weiter begleitet.

Unerlässlich sind eine ausführliche Aufklärung und Beratung der Eltern und des betroffenen Kindes. Der zeitliche Rahmen der Behandlung wird dann individuell mit der Familie abgesprochen und festgelegt. Die störungsspezifische Therapie setzt sich an der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Dresden aus folgenden Bausteinen zusammen:

  • ADHS-Elterntraining
  • Gruppentherapie für die Kinder (Soziales Kompetenztraining; Problemlösetraining; Ärgerkontrolltraining)
  • Familiengespräche
  • ADHS-Elterntraining
  • Aufmerksamkeitstraining (für Grundschulkinder)
  • Einzelpsychotherapie in Absprache
  • Neurofeedback

Ziel der Behandlung ist über die erlangten Informationen durch Aufklärung und Beratung sowie durch die Therapie, eine Symptomreduktion beim Kind, bessere Reaktion auf bestimmte Verhaltensweisen des Kindes sowie interfamiliäre Kommunikation zu erzielen.

Für Kinder/Jugendliche

Liebe Kinder und Jugendliche,

bist Du auch jemand, der häufig Flüchtigkeitsfehler macht, dem es schwer fällt, über eine längere Zeit eine Aufgabe zu bearbeiten oder bist Du schnell von unwichtigen Dingen abgelenkt? Vergißt Du viel oder verlierst Du oft wichtige Gegenstände? Bei machen Kinder kommt noch dazu, dass sie nur schwer still sitzen können, häufig auf dem Stuhl hin- und herrutschen oder plötzlich aufstehen, obwohl erwartet wird, dass sie still sitzen bleiben. Fällt es Dir schwer, in einer langen Schlange zu warten bis Du an der Reihe bist, oder still zu sein, wenn Deine Eltern telefonieren? Wirst Du des Öfteren von den Lehrern und Eltern ermahnt zuzuhören, bei der Sache zu bleiben? Vielleicht gibt es deshalb sogar Streit zu Hause oder in der Schule? Manche Kinder sind auch traurig, da sie in der Schule schlechte Noten schreiben, obwohl sie zu Hause alles gekonnt haben. Wieder Andere merken diese Probleme auch daran, dass die Lehrer oder die Eltern ständig schimpfen und sie ermahnen, einige fühlen sich dann auch ungerecht behandelt.

Vielleicht erkennst Du Dich ja in einigen Beispielen wieder und hast den Verdacht, dass bei Dir genau solche Probleme vorliegen. Um dies noch mal zu überprüfen, kannst Du in unserer Checkliste schauen, welche Punkte auf Dich zutreffen. Oder Du schaust in die allgemeinen Infos um dich noch besser zu informieren. Du könntest auch über unsere Online-Sprechstunde mit uns Kontakt aufnehmen, dies ist ganz unverbindlich und unkompliziert.

Du könntest aber auch gemeinsam mit Deinen Eltern einen Gesprächstermin bei uns vereinbaren. Wie ein solches Gespräch abläuft, kannst Du unter dem Button Spezialangebote nachlesen.

Wir wünschen Dir viel Spaß auf unserer Website und hoffen, dass Du hilfreiche Informationen findest.

 

Mythen über ADHS

Das Störungsbild ADHS wird in den letzten Jahren sehr kontrovers diskutiert. Dies hat Auswirkungen auf Betroffene, Eltern und behandelnde Ärzte und Psychotherapeuten.
An dieser Stelle wollen wir Ihnen einen Ausschnitt der am häufigsten diskutierten Mythen vorstellen und entsprechende Fakten gegenüberstellen.

Mythos 1: Lebhaftigkeit, Verträumtsein, Unruhe, Ablenkbarkeit – ist ein unauffälliges kindliches Verhalten
Fakten: Es stimmt, dass Kinder sehr verschieden sind und manche sind impulsiver, aktiver und weniger achtsam. Dabei sind die Grenzen zwischen Normalität und ADHS fließend und lassen sich nicht immer einfach ziehen. Dennoch muss ein quirliges Kind nicht zwangsläufig an ADHS erkrankt sein. Daher stellt sich die Frage, was ist normal und ab wann spricht man von ADHS? Die Diagnose ADHS sollte immer nur durch einen Facharzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie gestellt werden. Dabei müssen die drei Hauptkriterien Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität stark ausgeprägt und in verschiedenen Lebensbereichen (Familie; Schule) enorme Probleme bereiten bzw. zu Einschränkungen in den Alltagsfunktionen führen. Die o. g. Kriterien müssen bereits vor dem 6. Lebensjahr aufgetreten sein und mindestens über 6 Monate angehalten haben. Andere Erkrankungen (körperlich; psychiatrisch) sollten ausgeschlossen bzw. nicht vorhanden sein. Daher ist eine genaue Diagnostik unerlässlich.

Mythos 2: ADHS ist eine Modeerkrankung - eine Erfindung der letzten Jahrzehnte
Fakten: Bereits 1844 beschrieb der Frankfurter Psychiater Dr. Heinrich Hoffmann auffällige Kinder in seinem Buch der Struwwelpeter und Zappelphilipp. Inwieweit die Symptomatik des ADHS in letzten Jahren tatsächlich zugenommen hat, lässt sich schwer belegen. Allerdings ist zu beobachten, dass verstärkt in den letzten Jahrzehnten über ADHS in den Medien berichtet und diskutiert wird und somit die Aufmerksamkeit darüber zugenommen. Möglicherweise entsteht darüber der Eindruck, dass ADHS zugenommen hat. Darüber hinaus stellt ADHS für die Betroffenen, vor allem in Hinblick der Impulsivität, Unruhe und Aufmerksamkeitsprobleme, verstärkt ein Problem dar, als früher. Zu berücksichtigen sind ebenso die veränderten Anforderungen in der Gesellschaft (z. B. Schule; Arbeitsplatz) verändert.

Mythos 3: ADHS – verwächst sich im Erwachsenenalter
Fakten: ADHS kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Daher kann ADHS für Betroffene unbehandelt zu lebenslangen Folgen führen, wie beispielsweise: kein Schul- oder Berufsabschluss bei vorhandenen geistigen Leistungen; Schwierigkeiten soziale Beziehungen aufzubauen und zu pflegen; erhöhte Unfallneigung; Straffälligkeit.

 

Betroffenenbericht

ADHS-Elterntraining und Selbsthilfegruppe

Ein Viertel Jahr nachdem mein Sohn eingeschult worden war, vermutete seine Klassenlehrerin bei ihm ADHS. Also machten wir uns auf, es herauszufinden. Damit begann ein Marathon bei verschieden Ärzten, die diverse Untersuchungen und Tests durchführten. Das ganze dauerte fast ein Jahr. Nach der Diagnose bekam er Medikamente. Trotzdem gelang es ihm weiterhin nicht, in der Schule konzentriert mitzuarbeiten. Außerdem fiel er durch sein unruhiges Verhalten auf, wo immer wir waren und was wir machten. Da fühlt man sich als Eltern unwohl. Es schwang immer das Gefühl mit, das man sein Kind nicht richtig erzogen hätte. Aber es tauchten auch viele Fragen auf, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat. Der Umgang mit den Medikamenten und ihren Nebenwirkungen. Fragen über Fragen und Unsicherheiten zu vielem.

Beim ADHS-Elterntraining gab es Schritt für Schritt bzw. Treffen für Treffen Antworten auf Fragen, die wir in bestimmten Schritten bearbeitet haben. Gut tat es auch, Menschen zu treffen, die ähnliche Erfahrungen, wie man selbst gemacht haben. Es ist schön, sich auszutauschen über Erfahrungen, darüber zu sprechen und Verständnis zu bekommen. Deshalb hatte unsere Gruppe nach Beendigung unseres Kurses beschlossen, sich weiter zu treffen und eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Wie wir alle feststellen mussten und eine Teilnehmerin aus unser Gruppe so schön ausdrückte: „Die Treffen sind Streicheleinheiten für die Seele der Eltern“. Und so empfinde ich es auch!!! Es ist gut über die Erfahrungen zu sprechen und sich untereinander Rat zu holen.

Unser Leben mit Phillip

  • war als Baby ein Schreikind
  • im Kleinkindalter waren seine Wutausbrüche auffallend
  • im Kindergartenalter viel allein gespielt, wenig Interesse an Gruppenaktivitäten, aggressives Verhalten gegenüber Eltern (vor allem Mutter), sehr gute Sprachentwicklung, Motorik auffällig, große Phantasie (imaginärer Freund), noch immer inkontinent (Stuhl und Harn)
  • in der 1. Klasse verhaltensauffällig: Harninkontinenz, wenig Freunde, verträumt, Rechtschreibung und Mathematik bereiteten große Schwierigkeiten -> Klassenlehrerin vermutet ADS -> Test bei Kinderarzt positiv -> Schulwechsel zum Beginn der 2. Klasse auf SfE
  • wir haben uns sehr belesen und versucht alles anzuwenden, was wir wussten, trotzdem kaum Besserung, auch in der Schule große Konzentrationsprobleme und Schwierigkeiten im Stoff mitzukommen -> seit Dez. 2010 Gabe von Medikinet -> Besserung, solang Wirkung anhält
  • auf Anraten von Kinderärztin suchten wir in der Uniklinik Rat, wo wir am Elterntraining teilnehmen durften und zusätzlich eine Verhaltenstherapie bei ihm durchgeführt wird -> erneute Besserung, jedoch Inkontinenz wieder verstärkt mit Stuhlinkontinenz -> 10-wöchiger stationärer Aufenthalt in der Uniklinik, welche weitere Fortschritte brachte, doch aufgrund der fehlenden Möglichkeit die Medikation zu erweitern am Abend immer noch Verhaltensauffälligkeiten
  • zusätzlich nehmen wir 1x wöchentlich an einer ambulanten Ergotherapie, außerhalb der Uniklinik, teil, durch welche wir immer weitere Fortschritte mit ihm machen und sein Verhalten sich sehr verbessert hat

Was hat uns das Elterntraining gebracht?

  • wir haben unser Wissen auffrischen können und neue Erkenntnisse sammeln dürfen
  • unser Verständnis für seine Situation ist gewachsen und wir versuchen dementsprechend auf ihn einzugehen
  • wir konnten schwierige Situationen mit Fachpersonal besprechen und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen suchen
  • das Wissen: WIR SIND NICHT ALLEIN!!!
  • es hat uns die Möglichkeit gegeben, über unsere Probleme reden zu dürfen und auf Verständnis zu stoßen
  • wir erhielten Zuspruch, unser Bestes getan zu haben und Motivation nicht aufzugeben
  •  aus diesem Elterntraining entstand eine Selbsthilfegruppe, welche wir Muttis gern als „Seelenstreichler“ bezeichnen
Selbsthilfegruppe

Eine Selbsthilfegruppe bietet Ihnen die Möglichkeit, sich mit gleich betroffenen Eltern über die alltäglichen Probleme im Umgang mit ihren Kindern auszutauschen, zu unterstützen (praktische Ratschläge und Tipps) und zu beraten. Eine Selbsthilfegruppe kann somit sehr hilfreich und gute Ressource für betroffene Eltern sein. Meist sind dies regelmäßige Treffen, denen man sich zwanglos anschließen kann.

Wenn Sie wünschen, können wir den Kontakt zu einer bereits existierenden Selbsthilfegruppe, welche sich in unserer Einrichtung gegründet hat, vermitteln.
 

Checkliste-ADHS

Diese Symptomcheckliste stellt eine Art erstes „Screeningverfahren“ dar und soll Ihnen helfen, die Auffälligkeiten Ihres Kindes bzw. Schweregrad einzuordnen. Die Hauptschwierigkeiten bei Kindern mit ADHS besteht in den Bereichen: Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität und sind in den folgenden Kriterien näher dargestellt.
Die Checkliste orientiert sich an den Conners-Skalen.


Unaufmerksamkeit        

  • Macht häufig bei Schularbeiten, anderen Arbeiten oder Tätigkeiten Flüchtigkeitsfehler. Beachtet Einzelheiten kaum.
  • Hat große Probleme seine Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder im Spiel längerfristig aufrechtzuerhalten (kurze Aufmerksamkeitsspanne).
  • Kann schlecht zuhören.
  • Bringt Schularbeiten, andere Aufgaben oder Pflichten nicht zu Ende, d. h. wechselt sehr schnell die Tätigkeiten.
  • Gibt bei schwierigen Aufgaben schnell auf.
  • Hat große Probleme Aufgaben und Tätigkeiten zu planen und zu organisieren.
  • Zeigt Widerwillen und Abneigung gegenüber Aufgaben oder Tätigkeiten die eine längerandauernde geistige Anstrengung bedingen. Desinteresse gegenüber Dingen die ihm keinen Spaß machen.
  • Schnelle Ablenkbarkeit durch äußere Einflüsse (Gehörtes; Gesehenes).
  • Häufiges verlieren oder verlegen von Gegenständen (Spielsachen; Hausaufgabenhefte; Stifte; Schlüssel; Bücher).
  • Bei alltäglichen Beschäftigungen leicht vergesslich. Vergisst oft Dinge die er schon bereits erlernt hat.        


Hyperaktivität        

  • Häufig zappelig und kann nicht still sitzen. Aufstehen und umherlaufen, wenn still sitzen erwartet wird.
  • Hat große Probleme, ruhig zu spielen oder sich mit „ruhigen“ Freizeitaktivitäten dauerhaft zu beschäftigen (z. B.: Puzzle; Lesen)
  • Rennen und klettern in Situationen, wo es unpassend erscheint.
  • Wirkt unruhig, rastlos und ist immer in Bewegung.        


Impulsivität        

  • Antwortet, bevor die Frage vollständig gestellt wurde bzw. platzt mit Antworten heraus.
  • Kann schwer abwarten bis er/sie an der Reihe ist. Möchte Dinge sofort haben. Ist ungeduldig.
  • Hat Stimmungsschwankungen. Ist oft launig.
  • Unterbricht andere übermäßig. Fällt schnell anderen ins Wort.
  • Hat öfters Wut- und Trotzanfälle.
  • Stört andere beim Spiel.
  • Schnell erregbar und impulsiv.
  • Hat große Probleme, mit Frust und Enttäuschungen umzugehen.
  • Gerät schnell außer sich. Rastet schnell aus.
  • Redet sehr viel.         


Aggression und Außenseiter

  • Spielt am liebsten allein.
  • Hat kaum Freunde oder Spielkameraden.
  • Hat große Probleme, sich in Gruppen einzufügen.
  • Gerät schnell mit anderen in Streit.
  • Verletzt oft andere körperlich (schlagen, treten, spucken, kratzen, boxen). Geht oftmals grundlos auf andere los.
  • Beschädigt oder zerstört Dinge/Spielsachen anderer absichtlich. Macht Sachen kaputt.
  • Beginnt absichtlich Streit. Verärgert andere.
  • Möchte meist den „Boss“ spielen und ist daher weniger beliebt.
  • Stiehlt oft.
  • Lügt häufig.        


Falls Sie die überwiegenden Punkte der oben aufgeführten Symptome mit ja beantworten konnten und diese in verschiedenen Lebensbereichen (in der Familie; Kindergarten; in der Schule, im Freizeitbereich) Ihres Kindes zu beobachten sind, ist eine Abklärung mittels Untersuchungen notwendig, um die Diagnose sicher stellen zu können.
Daher scheuen Sie sich nicht, den Kontakt zu uns aufzunehmen und Ihr Kind in unserer Ambulanz vorzustellen. Mit einer frühzeitigen und raschen Behandlung können die besten Erfolge erzielt und weitere Hilfen geplant und begonnen werden.

Ihr Ambulanz-Team der KJP!

Essstörungen

Zentrum für Essstörungen

Um ein optimales Behandlungsergebnis zu erreichen, bietet das Zentrum für Essstörungen an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie (Leitung Prof. Dr. med. S. Ehrlich) eine breite Palette an Therapieformen an. Dazu gehört eine Spezialambulanz für Patientinnen mit Essstörungen , eine Spezialstation und eine Familientagesklinik für Essstörungen.

Unsere Patientinnen und deren Familien können je nach Verlauf der Erkrankung und Therapiefortschritt die therapeutische Unterstützung erhalten, die ihrer Situation gerecht wird. Am Anfang und Ende einer Therapie steht oft die Spezialambulanz für Patientinnen mit Essstörungen. Auch eine ambulante Gruppentherapie für Anorexie-Patientinnen gehört zu deren Angebot. Je nach Art und Verlauf der Essstörung kann auch eine stationäre Behandlung auf unserer Spezialstation für Essstörungen nötig sein. Eine gemeinsame Behandlung mit Eltern und Geschwistern ist in der Familientagesklinik für Essstörungen möglich. Nicht selten schließt sich daran eine weitere Phase in der Spezialambulanz an. Ein Teil der Patientinnen durchläuft einzelne Therapieform mehrere Male. Zeigt sich dabei, dass die Ressourcen einer Familie nicht reichen, um ihr Kind nach einer Therapie ausreichend zu Hause zu unterstützen, ist eine spezielle betreute Jugendwohngemeinschaft eine erfolgversprechende Alternative. Wichtig ist bei allen Angeboten jedoch, dass sie auf denselben Grundprinzipien fußen. Dies gilt auch für die Arbeit der therapeutischen Jugendwohngemeinschaft für Patientinnen mit Essstörungen (WG Carla), mit der unsere Klinik eng kooperiert. Für weitere Informationen zu den einzelnen Teilbereichen des Zentrums nutzen Sie bitte die Verlinkungen (s.o.)

Übrigens kann man neuste Ergebnisse aus unserer Forschungsgruppe auch mittlerweile bei FaceBook verfolgen „Zentrum für Essstörungen Dresden – Forschung und Therapie“

Wir freuen uns über „Likes“.

A2d - Spezialambulanz für Essstörungen.pdf

S1 - Spezialstation für Essstörungen.pdf

TK3 - Familientagesklinik für Patienten mit Essstörungen.pdf

Allgemeine Informationen

Es gibt verschiedene Formen von Essstörungen. Die für die Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie relevanten sind Anorexie (Magersucht), Bulimie (Ess-Brech-Sucht) und Binge-Eating (Essanfälle ohne Gegenregulierende Maßnahmen).

Je nach Art der Essstörung sind auch die damit verbunden Folgeerscheinungen sehr verschieden. Magersüchtige Patienten versuchen durch gezielte Nahrungsreduktion und oft auch Sport abzunehmen, was soweit führen kann, dass sie in ein lebensbedrohliches Untergewicht kommen. Typische Begleitsymptome sind Stimmungsverschlechterung, Reizbarkeit, kalte Hände und Füße, Unregelmäßigkeiten und Ausbleiben der Menstruation, Haarausfall, Verschlechterung des Hautbildes, Konzentrationsprobleme, Verlangsamung des Herzschlages… . Problematisch ist, dass diese Patienten oft nicht erkennen, dass sie eine Erkrankung haben und ihr Körperbild (Wahrnehmung als zu dick) nicht der Wirklichkeit entspricht.
Bei Patienten mit Bulimie ist das Gewicht häufig im Normalbereich oder schwankt stark. Zusätzlich zu den oben genannten Symptomen kommt es durch Essanfälle und Erbrechen zu Zahnproblemen, Herz-Rhythmusstörungen und Krämpfen kommen. Die Patienten schämen sich häufig für die Essattacken und das Erbrechen und verheimlichen es oft über Jahre vor ihren Freunden und der Familie.
Binge Eating ist mit Übergewicht und damit verbundenen Belastungen für den Körper verbunden. Dazu kommen häufig emotionale Probleme.

Egal um welche Essstörung es sich handelt, der Kampf dagegen erfordert sehr viel Kraft und vor allem Durchhaltevermögen. Vielen Betroffenen gelingt dies allein nicht, weil sie sich aber entweder nicht trauen oder gar nicht erkennen, wie schwer krank sie sind, und die Essstörung wird chronisch. Da es aber immer schwerer wird, die Essstörung zu besiegen sollte man sich die Hilfsangebote, die es gibt, ansehen. Ziel ist, in ein zufriedenes Leben zurückzufinden, was nicht nur von Kalorien, exzessivem Sport und Abhängigkeit vom Aussehen bestimmt wird.

Für Eltern

Liebe Eltern,

viele junge Mädchen und auch Jungen machen eine Diät, weil sie mit ihrem Körper unzufrieden sind und sich zu dick fühlen. Sie beginnen mehr Sport zu machen, lassen Süßigkeiten weg und achten bewusster auf ihr Essen. So werden viele Vegetarier und essen viel Obst und Gemüse. Es ist gar nicht so selten, dass anfangs die Umgebung positiv reagiert und es viele Komplimente gibt. Irgendwann entgleitet den Betroffenen aber die ganze Sache und aus einer einfachen Diät wird Schritt für Schritt eine Essstörung. Was für Außenstehende kaum zu verstehen ist, ist die Körperschemastörung – um so dünner die Betroffenen werden, um so dicker nehmen sie sich war. Was im Zusammenhang mit den massiven Ängsten wieder zuzunehmen dazu führt, dass die Betroffenen meist nicht erkennen, dass sie eine schwere Erkrankung haben.

Wenn Mädchen und Jungen mit Anorexie aufhören zu essen, fällt das früher oder später Freunden oder den Eltern auf – auch, wenn sie oft durch weite Kleidung lange die tatsächliche Gewichtsabnahme verschleiern können. Bei Betroffenen mit Bulimie dauert es oft Jahre, bevor jemand von der Erkrankung erfährt. Oft ist das Gewicht im Normalbereich und da die Ess- und Brechanfälle mit starken Schamgefühlen verbunden sind, verheimlichen die Betroffenen es.

Wenn sie das Gefühl haben, ihr Kind könnte an einer Essstörung leiden, melden sie sich und lassen sie sich einen Termin in unserer Spezialambulanz für Essstörungen geben.

Für Kinder/Jugendliche

Liebe Kinder und Jugendliche,

meist beginnt es mit einer Diät, die dann aus dem Ruder läuft. Und aus ein paar wenigen Kilogramm und dem Weglassen von Schokolade wird Schritt für Schritt eine Essstörung, die den ganzen Alltag bestimmt. Meist merken es die Betroffenen selbst nicht, wie tief sie schon in der Essstörung drin stecken, sondern Freunde oder Eltern werden stutzig. Betroffene Jungen und Mädchen berichten, dass sich immer mehr Gedanken um Gewicht, Essen und abnehmen drehen. Viele entwickeln ganz strenge Sportprogramme, haben klar strukturierte Tagesabläufe und ziehen sich immer mehr zurück. Irgendwann hat das „normale“ Leben mit Freunden, Spaß und Spontanität keinen Platz mehr.

Die Einen essen immer weniger und weniger und treiben zusätzlich Sport – sie entwickeln eine Anorexie. Anderen gelingt dass eine ganze Weile, doch das wird unterbrochen durch Essanfälle, wo sie viele Nahrungsmittel innerhalb kürzester Zeit verschlingen und danach wieder erbrechen, damit verbunden sind starke Schuld- und Schamgefühle – dies nennt sich Bulimie. Egal ob Anorexie oder Bulimie – es ist sehr schwer, allein gegen die Erkrankung anzukämpfen und diese zu besiegen.

Deshalb, wenn ihr selbst solche Gedanken habt, meldet euch – ihr könnt über die Anmeldung ein unverbindliches Erstgespräch vereinbaren.

Falls ihr jemanden kennt, bei dem ihr eine Essstörung vermutet, sprecht mit ihr oder ihm. Ganz oft erkennen die Betroffenen nicht, dass sie selbst betroffen sind, deshalb ist es oft hilfreich, statt nur mit den Betroffenen auch mit den Eltern zu sprechen.

Mythen über Essstörungen
  • Die wollen doch alle nur im Mittelpunkt stehen und machen das deshalb.
  • Die wollen unbedingt Modell werden.
  • Wenn die wollten, würden die einfach essen.
  • Die sind total eingebildet und halten sich für was besseres.
Betroffenenbericht

Erfahrungsbericht von Theresa (18 Jahre), Patientin mit Bulimie

Schleichend trat die Waage in mein Leben und Zahlen und Kontrolle bestimmten den Alltag…

Es hat eine ganze Weile gedauert bis mir klar wurde, dass etwas nicht stimmt. Zu der Zeit wohnte ich nicht zu Hause, sondern war zum Schüleraustausch. Meine gesamte Einstellung Essen gegenüber hatte sich zunächst unbemerkt, letztlich aber deutlich geändert. Süße und fettige Sachen standen nicht mehr auf der Speiseliste.

Irgendwann begannen Tage der Katastrophe. Plötzlich war da das Verlangen nach allem, was sonst verboten war. Anfangs habe ich noch mit Schuldgefühlen gegessen. Doch dann kam der Tag an dem das Essen das erste Mal den Weg rückwärtsging.

Die Erleuchtung kam, als es für mich nicht mehr möglich war, nach dem Essen die Toilette nicht aufzusuchen, um alles wieder loszuwerden, was ich meinem Körper „antat“. Nur Obst und Gemüse blieben dort wo Nahrung hingehört. Die Angst wieder zuzunehmen wuchs mit jedem Tag, mit jeder Mahlzeit.

Ich wollte auf keinen Fall in die Klinik, da das Abi aussteht und ich sowieso schon ein Jahr älter bin als die Meisten. Ich begann eine ambulante Therapie. Zwischendurch war ich auf Klassenfahrt. Eine Woche nichts essen und ein grauenhaftes Wochenende folgten. Nach dieser Woche begann die intensive Therapie und es gab viele Veränderungen zu Hause. Ich hatte mich an einen Essensplan zu halten. Es gab keine Mahlzeit ohne Aufsicht. In der Schule musste ich im Sekretariat und mit einer Lehrerin essen. Wenn ich allein zu Hause war, wurden Küche, Abstellraum und Bad verschlossen.

Dann kam der Tag an dem mir angekündigt wurde wieder einmal Kuchen und Kekse essen zu müssen. Das war die erste Katastrophe. Die zweite folgte kurz darauf. Ich hatte Geburtstag. Am Tag darauf zeigte die Waage einfach nur zu viel an, viel zu viel.

Ich fiel zurück in den Teufelskreis, den ich gedacht hatte überwunden zu haben. Alles wurde immer schlimmer, schlimmer als zuvor. Ich begann wieder verbotene Dinge zu tun. Das erste Mal in meinem Leben belog und verarschte (es gibt kein anderes Wort) ich meine Eltern, besonders meine Mutter und zwar so richtig. Ich wollte mir selbst nicht eingestehen, was ich für Sch… machte. Ich hatte jegliche Selbstachtung vor mir verloren. Ich schwieg über alles, was passierte, wenn ich allein war. Vielleicht sah man es mir aber auch an.
Ich fühlte mich schlecht, hasste mich, mein Leben und die gesamte Welt. Jeden Tag nahm ich mir auf neue vor wieder aufzuhören. Es war zwecklos. Zwei Wochen nach meinem Geburtstag. Eigentlich sollte an diesem Tag nur ein Therapeutenwechsel stattfinden. Doch es kam anders. Ein Gespräch fand statt mit dem Endresultat: Empfehlung Klinik. Ich selbst war mir der Sache bewusst, schon vor dem Gespräch. Ich wollte nicht in die Klinik, da ich somit mein Abi wegen Fehlzeit gefährden würde. Mein Bericht über die letzten zwei Wochen endete mit den Worten „Wenn ich auf die letzte Zeit zurückschaue, würde ich mich selbst einweisen“. Das war der ausschlaggebende Punkt. Von da an wurden die Dinge geklärt, die für den Klinikaufenthalt wichtig waren.

Ich wusste nicht wirklich was mich erwartet. Die Angst vor der bevorstehenden Zeit war groß.

Für mich waren die ersten zwei Tage der reinste Horror und ich wollte nur zurück nach Hause. Ich war meiner Freiheit voll und ganz beraubt wurden und hatte keine Lust mit irgendjemand zu reden. Ich fühlte mich wie im Gefängnis.

Nach und nach gewöhnte ich mich an alles. Die Therapien begannen und langsam kam der Kontakt zu meinen Mitpatienten. Das erste Mal erkannte ich, dass ich überhaupt nicht allein in der Welt mit dem Essproblem bin. Die Therapien machten sogar Spaß. Am Meisten haben mir die Einzelgespräche mit meinem Therapeuten genutzt. Da wurde direkt auf meine Probleme eingegangen, welche sich in bestimmten Sachen doch von dem der anderen unterschieden.

Vor allem in Gesprächen mit andern wurde mir bewusst, dass ich etwas ändern will. Ich versuchte mich selbst mehr zu motivieren, denn es gab oft jemanden, dem es richtig schlecht ging. Wir bemühten uns dann uns gegenseitig aufzubauen. Wer kann einen Essgestörten besser verstehen als ein Essgestörter selbst? Indem ich es schaffte selbst gegen alte Gedanken anzukämpfen, rückte die Entlassung in Sichtweite.

Der Tag der Entlassung war ein lang ersehnter. Ich wollte in die Schule zurück und endlich mein Leben wieder in meine Hände nehmen. Bis ich dazu allein sicher in der Lage bin, wird es aber noch dauern. Schrittweise übernehme ich wieder die Verantwortung für mein Leben.

Der Klinikaufenthalt bedeutete nicht alles ist wieder normal sobald man rauskommt. Für mich war es wichtig und richtig, denn ich weiß nicht wie weit ich noch abgerutscht wäre. Es war ein Stopp-Zeichen. Damit habe ich den ersten großen Schritt gegen die Krankheit getan. Während des Aufenthalts ist mir erst bewusst geworden wie sehr ich von der Essstörung eingenommen war.

Jetzt kommt der eigentliche Part: wieder normal leben zu lernen. Dabei habe ich schon oft an Gruppen- und Einzeltherapien zurückgedacht. Wenn mir einmal wieder alles zu viel wird, helfen mir Dinge die ich gelernt habe.

Im Nachhinein denke ich, dass die Klinik der schnellste und beste Weg war den Teufelskreis zu durchbrechen. Man wird aus dem gewohnten Umfeld herausgerissen. Von einem Tag auf den anderen hat das Leben eine völlig neue Struktur. Die psychische Entlastung für meine Familie und für mich hat das Leben insgesamt sehr erleichtertet. Eine der mit wertvollsten Erfahrungen für mich war, man ist nicht allein und es gibt auch andere, die über die Essstörung reden müssen.


Erfahrungsbericht von Moritz (13 Jahre), Patient mit Anorexie

Tobsuchtzelle, Zwangsjacke und vergitterte Fenster...so sieht für fast jeden die klassische Psychiatrie aus! Oder besser Klapsmühle?

Ich musste unweigerlich einsehen, dass dieser Ort der sein wird, der mich vor Schlimmerem bewahrt und mich wieder aufbaut.

Als ich merkte, dass ich phasenweise jegliche Lust am Essen, und dem damit verbundenen Gewicht, verloren hatte und meine einzigen Erfolge das Abnehmen waren, sah für mich die Welt rosarot aus. Es hätte ewig so weiter gehen können mit der Hoffnung irgendwann das Gewicht erreicht zu haben, was man für besonders attraktiv hielt. Das Problem an der ganzen Sache war, dass ich manchmal dachte: “Scheiße, was machst du mit dir? Du kannst kaum noch eine Treppe ohne Probleme hochlaufen, der Schlaf ist die Hölle und du kannst dich keine 5 Minuten mehr konzentrieren!“

In diesen Phasen sah ich, dass ich langsam aber sicher auf einen Abgrund zuritt und versuchte mich mit aller Kraft zu kontrollieren! ...ich stand schon einmal vor einem solchen Abgrund, aber da redete meine Freundin so lange auf mich ein, bis ich mein Gewicht für sie und nicht für mich hielt. Jetzt aber wurden die Phasen der Beherrschung kürzer und die Phasen in denen die Magersucht aktiv war länger und intensiver. Ich wusste an diesem Punkt aber noch nicht, dass ich essgestört bin und informierte mich übers Internet, was das denn jetzt nun sein könnte und gab mir schließlich selbst die Diagnose.

Doch wenn die Beherrschung täglich schwindet...wie soll das da bloß gut ausgehen?

Es folgten jetzt Tage, in denen all meine Freunde auf mir rumhackten! „Geh doch endlich zum Arzt! Bitte!“, flehte am Ende schon fast eine meiner Klassenkameradinnen, die ich in meine schlimmsten Befürchtungen eingeweiht hatte. Ich erkannte: Ich muss jetzt etwas tun!

Also informierte ich mich über das Internet. Ich suchte keine Behandlung, sondern einen Ort an dem ich frei mit Experten über mein vermeintliches Problem reden konnte.
Als Junge steht man da natürlich vor einem Problem, denn wenn man in die Zeitungen schaut, stehen da nur Hilfen für Mädchen und junge Frauen ...aber ich erinnerte mich, dass meine Banknachbarin mit dem selben Problem in das Uniklinikum Dresden gegangen ist (was für eine Ironie des Schicksals) ...aber ich wollte ja nur Beratung und keine stationäre Aufnahme!

Im Internet fand ich das aber nochmals ausgeschrieben und ich beschloss mich einfach dorthin zu wenden! Seitdem sind 2½ Monate vergangen und trotz der manchmal nervigen Sicherheitsvorschriften bin ich froh hier zu sein.

Mein psychischer Zustand artete hier auf einmal in heftige Depressionen aus und ich glaube, die Sicherheitsvorschriften und der zeitige Weg hier her haben mich vor deutlich Schlimmeren bewahrt. Am Anfang hatte ich tierische Angst als einziger Junge nicht in die Gruppe aufgenommen zu werden, aber jetzt sind wir schon 2 Jungen und ich habe mich mit allen Mädchen super angefreundet. Na ja, das klingt jetzt so als ob das hier alles super wäre...aber so ist das natürlich auch wieder nicht, denn schließlich gibt man seinen vorherigen Lebensweg auf und ersetzt ihn durch einen besseren ...schlechteren? Das ist ein Punkt an dem man sich hier wohl nie richtig einig wird, aber wenn man dann endlich wieder durchstarten kann, dann akzeptieren die meisten diesen Weg. Es gibt hier total strenge Regeln und wenn es einem noch nicht so gut geht und das Gewicht sehr niedrig ist, liegt man gut und gerne 2 Monate, außer zu den 6 Mahlzeiten im Bett. Aber umso glücklicher ist man, wenn man hier merkt, dass sich etwas tut. Ich selbst war nicht so schlecht dran, sondern hatte nur ein paar kleine Nebenerscheinungen, die mir aus meiner jetzigen Sicht mein Leben zum Teil versaut haben. Aber zurück zum Irrenhaus! Um ehrlich zu sein, merkt man kaum, dass man auf einer psychiatrischen Station ist, eher in „einem Ferienlager mit therapeutischen Hintergrund“.

Links/weiterführende Literatur

Hier finden Sie Links zu verschiedenen Angeboten für Betroffene:

 

Hilfreiche Literatur:

Für Eltern/Angehörige/Lehrkräfte

  • Ratgeber Magersucht, Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher (2005) von D. Pauli & H.-C. Steinhausen, Reihe: Ratgeber Kinder- und Jugendpsychotherapie, Band 7. Hogrefe.
  • Essstörungen - Leitfaden für Eltern, Angehörige und Lehrkräfte. (2011) BZgA, online bestellbar
  • Essstörungen... was ist das? (2010) BZgA, online bestellbar
  • Iss doch endlich mal normal! Hilfe für Angehörige von essgestörten Mädchen und Frauen. (2001) von B. Wardetzki. Kösel.
  • Schlankheitstick oder Essstörung? Ein Dialog mit Angehörigen. (1999) von M. Gerlinghoff. DTV.
  • Wege aus der Essstörung. (2004) von M. Gerlinghoff & H. Backmund. Trias.
  • Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Rat und Hilfe für Eltern. (2008) von R. Bryant-Waugh & B. Lask. Huber.
 
Für Betroffene
 
  • Gemeinsam die Magersucht besiegen: Ein Leitfaden für Betroffene, Freunde und Angehörige (2012) von J. Treasure. Beltz.
  • Essgestört? übergewichtig? - So findest Du Hilfe (2008) BZgA, online bestellbar
  • Du musst dünn sein: Anna, Tyranna und der Kampf ums Essen. (2011) von L. Fairfield. Patmos.
  • Die Bulimie besiegen - Ein Selbsthilfe-Programm (2011) von U. Schmidt & J. Treasure. Beltz.
 
Videos
 
  • "Ana Ex" Wie die Magersucht siegt und wie sie scheitert. (2008) Carl Auer Verlag.
 
 
Den Flyer rund um das Thema "Literatur und weiterführende Informations- und Hilfsangebote zum Thema Essstörungen" finden Sie hier: ZfE Flyer Literaturhinweise_20141113.pdf
 
 

 

Checkliste-Essstörungen

Dies sind mögliche Verhaltensweisen, die ihr Kind möglicher Weise zeigen könnte:

  • zeigt ein verändertes Essverhalten (z. B. isst nur noch zu bestimmten Zeiten, isst allein, isst nur noch das Gleiche, meidet Fette)
  • zieht sich zurück, ist häufig gereizt, lustlos
  • wiegt sich häufig
  • treibt exzessiv Sport
  • nimmt auffällig an Gewicht ab
  • sucht regelmäßig nach den Mahlzeiten die Toilette auf
  • wirkt unkonzentriert, in Gedanken
  • beschäftigt sich ständig mit Essen (sammelt Rezepte; kocht gern, ohne selbst davon zu essen; achtet auf Fett- und Kaloriengehalt)
  • verbraucht viele Nahrungsmittel (Essen verschwindet, es  entsteht mehr Verpackungsmüll, Geld fehlt)
  • steht sehr viel rum oder ist sehr unruhig
  • nimmt regelmäßig Abführmittel
  • fühlt sich trotz Normal- oder Untergewicht zu dick
  • die Monatsblutung bleibt aus
  • es gibt viele Konflikte und Diskussionen um Essen und Portionsgrößen
  • Rückzug von Freunden

Dies sind mögliche Warnsymptome, die Du bei Dir selbst beobachten könntest:

  • Du hast das Gefühl, dass alle anderen dünner sind als Du
  • die anderen sagen zwar, dass du abgenommen hättest, aber Du siehst Dich immer noch als viel zu dick
  • Du hast Angst, zuzunehmen
  • Du versucht, den Hunger auszutricksen, in dem Du zum Beispiel sehr viel Kaugummi kaust oder sehr viel Wasser trinkst
  • Du frierst und hast kalte Hände und Füße
  • Es gibt Nahrungsmittel, die Du nicht mehr isst, weil Du dadurch sehr viel zunehmen könntest
  • Deine Haut ist schlechter
  • Deine Monatsblutung kommt unregelmäßig oder gar nicht mehr
  • Du hast Haarausfall
  • Deine Stimmung hat sich verschlechtert, du fühlst Dich hoffnungslos
  • Du bist reizbar
  • Du fühlst dich gezwungen Sport zu machen
  • ganz viele Deiner Gedanken kreisen um eigene Figur und Körpergewicht
  • häufiger werdender Heißhunger mit sich anschließenden Essattacken

Falls Du, falls Sie als Eltern einige dieser Punkte mit ja beantworten, könnte es sich um eine beginnende oder auch fortgeschrittene Essstörung handeln!
Wenn es sich um eine Essstörung handelt, ist es äußerst schwer, ohne therapeutische Hilfe aus dem Teufelskreis dieser Schwierigkeiten herauszukommen.
In einem unverbindlichen ambulanten Informationsgespräch kannst Du/können Sie sich einen Eindruck von unserem Behandlungskonzept verschaffen. Zudem geben wir Empfehlungen hinsichtlich der Möglichkeit einer ambulanten bzw. stationären Behandlung.
Falls es schon vorherige Behandlungen, Beratungen oder Diagnostik durch Kinderärzte und Psychologen  gegeben hat, ist es hilfreich, wenn alle Befunde zu diesem Gespräch mitgebracht werden.
Bei weiteren Fragen ist es ebenfalls möglich, diese unkompliziert in unserer Online-Sprechstunde an uns zu stellen.

Schizophrenie und bipolare Störungen

Unsere Spezialangebote und Anmeldung

Unsere Spezialsprechstunde erreichen Sie über die Zentrale Anmeldung

Schwester Sabine Herzig und Kolleginnen
Telefon: (0351) 458 35 76
Fax: (0351) 458 73 18

Wir sind Montag bis Donnerstag von 7.30-17.00 Uhr und Freitag von 7.30-14.30 Uhr telefonisch erreichbar.

 

Für Eltern

Schizophrene Psychosen sind heute viel besser zu behandeln als noch vor 30 Jahren. Je früher eine Therapie einsetzt, umso besser sind die Chancen auf einen optimalen Behandlungserfolg.

Es bedarf dennoch etwas Geduld bis sich Symptome zurückbilden und deutliche Fortschritte erkennbar sind. Die Akzeptanz der Erkrankung des Kindes hat einen wichtigen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Patienten, deren Eltern ihren Kindern mit all ihren Krankheitssymptomen und den damit verbundenen Leistungseinbußen respektvoll begegnen, haben häufig eine bessere Prognose.

In unserer Mehrfamiliengruppe können Eltern sich gegenseitig Unterstützung geben. Es werden viele Tipps und Ratschläge ausgetauscht, die hilfreich sein können, das Kind bei der Bewältigung der Erkrankung zu begleiten. Wir möchten allen betroffenen Familien auf diesem Weg Mut machen.

Wir bieten neben ambulanter Beratung und Therapie eine tagesklinische bzw. stationäre Behandlung an. Für die Akutbehandlung kommt in der Regel aber zunächst nur eine stationäre Behandlung in Betracht.

Wenn Sie Interesse an unserer Gruppe haben oder weitere Informationen wünschen, nehmen Sie bitte Kontakt mit der verantwortlichen Ärztin Frau Dr. med. Karin Horn über Karin.Horn@uniklinikum-dresden.de auf.
 

Für Kinder/Jugendliche

Wenn die Ärzte bei dir eine Psychose festgestellt haben oder du machst dir Sorgen darüber, dass etwas mit dir nicht stimmt, können wir Hilfe anbieten. Zunächst musst du dich an deine Eltern wenden, damit du die Therapieangebote mit ihrer Erlaubnis wahrnehmen kannst und sie dich gut unterstützen können.

Mit deiner Erkrankung bist du nicht allein. Bei uns kannst du mit anderen Kindern und Jugendlichen, die von psychischen Erkrankungen betroffen sind, in Kontakt kommen.
Die erste Behandlung findet meist im Krankenhaus statt. Später kommen die Kinder und Jugendlichen in eine „Tagesklinik“. Diese hat von montags bis freitags geöffnet. Am Nachmittag gehen die Kinder und Jugendlichen wieder nach Hause zu ihren Familien. Auch die Wochenenden verbringen sie zu Hause. Geht es den Patienten besser, kommen sie nur noch an einzelnen Tagen zu Gesprächen oder zu Treffen in der Gruppe.

In der Mehrfamiliengruppe treffen sich Kinder und Jugendliche, die an Psychosen erkrankt sind, zusammen mit ihren Familien (Eltern und manchmal auch Geschwister). Hier werden die Fragen besprochen, die im Alltag auftauchen. Für Probleme werden gemeinsam Lösungen gesucht. Das Ziel ist, dass die Kinder bzw. die Jugendlichen und ihre Familien zu „Experten“ im Umgang mit der Erkrankung werden.

Fragen die Kinder und Jugendliche unserer Mehrfamiliengruppe gemeinsam erarbeitet haben, könnt ihr auf dieser Website sehen.

Vielleicht bist du schon selbst ein Experte geworden und kannst du deine Tipps an andere in der Gruppe weiter geben? Du bist herzlich eingeladen.

 


 

Links/Downloads/weiterführende Literatur
Checkliste-Schizophrenie

Bitte wenden Sie sich dafür an unsere Zentrale Anmeldung

Schwester Sabine Herzig und Kolleginnen
Telefon: (0351) 458 35 76
Fax: (0351) 458 73 18

Wir sind Montag bis Donnerstag von 7.30-17.00 Uhr und Freitag von 7.30-14.30 Uhr telefonisch erreichbar.

 

Tic/Tourette-Syndrom

Zentrum für Tic- und Zwangsstörungen

Ein Vormittag in der Spezialsprechstunde für Tic-Störungen/Tourette-Syndrom in Dresden:

Zuerst findet ein telefonischer Vorkontakt in unserer Ambulanz statt. Hier werden die Tics grob erfasst und ein Vorstellungstermin bei uns vereinbart. Unsere Spezialsprechstunde findet immer dienstags 9 Uhr statt. Für den Erstkontakt nehmen wir uns viel Zeit (2-3 Stunden).

Im Vorfeld wird den Familien ein Diagnostikpaket in Form von Fragebögen, insbesondere ein ausführlicher Fragebogen zu Tics zugesandt, welches Sie uns bitte vor dem Termin zurücksenden. Auch werden Sie gebeten, alle Vorbefunde und Briefe, die Ihnen vorliegen, sowie die Zeugnisse, einen Schulhefter (u. a. zum Einschätzen der Schrift), Untersuchungsheft und Impfpass zum Termin mitzubringen.

Generell gestalten wir Erstkontakte zu zweit. In der Regel sind eine Ärztin und eine Psychologin im Doppelpack für Sie da.

Im Erstkontakt lernen wir Sie und Ihr Kind kennen, erfassen ausführlich die Hauptsymptomatik und mögliche „Nebenbaustellen“, geben Ihnen viel Zeit, Ihre Sorgen und Wünsche zu formulieren. Dabei wird eine ausführliche Anamnese erhoben.

Nach einer kurzen Pause erfolgt dann in der Regel ein ausführliches Aufklärungs- und Informationsgespräch, welches wir nach Ihren individuellen Bedürfnissen und Anliegen gestalten können, sowie eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen, eventuell weiterführende Diagnostik- und Therapieangebote.

Danach geht der ereignisreiche Vormittag zu Ende.

A2a - Spezialambulanz für Tic- und Zwangsstörungen.pdf

 

Ein Aufenthalt auf unserer Spezialstation für Tic-Störungen/Tourette-Syndrom in Dresden:

Immer wieder kamen Familien in unsere Spezialambulanz, die am Ende ihrer Kraft waren und bei denen eine ambulante Therapie nicht ausreichen würde. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, 2013 eine Spezialstation für Patienten mit Tic- und/oder Zwangsstörungen zu eröffnen.

Vor der Aufnahme findet immer ein Vorgespräch statt, in dem sich Eltern und Kind/Jugendlicher einen Eindruck von unserer Station und dem Behandlungskonzept verschaffen können. Gemeinsam wird besprochen, ob eine stationäre Behandlung bei uns das Richtige ist. Nur wenn alle gemeinsam sich dafür entscheiden, wird das Kind bzw. der Jugendliche auf unsere Warteliste gesetzt. Um das Kind bzw. den Jugendlichen in seinem gewohnten und vertrauten Umfeld zu erleben, führen wir gegebenenfalls im Vorfeld der Aufnahme einen Hausbesuch und/oder eine Schulhospitation durch.

Zu Beginn der Behandlung findet eine ausführliche kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik statt. Mit der Aufnahme wird jedes schulpflichtige Kind/ jeder schulpflichtige Jugendliche in unsere Klinikschule integriert.

Nach der Diagnostik findet ein gemeinsames Auswertungsgespräch statt, in dem Empfehlungen für eine optimale Behandlung gegeben werden. Mögliche Therapieansätze und dazu notwendige Schritte werden erläutert. Je nach Art und Schwere stehen im weiteren Behandlungsverlauf unterschiedliche therapeutische Angebote zur Verfügung. Eine Aufzählung möglicher Therapiebausteine findet sich unten im Flyer.

Zur Vorbereitung der Entlassung werden die Kinder bzw. Jugendlichen in ihr Elternhaus und falls möglich in ihre Heimatschule integriert, um einen guten Start in den Alltag zu ermöglichen und während der stationären Behandlung erarbeitete Strategien besser in den Alltag transferieren zu können.

Sehr wichtig ist uns die Einbeziehung der Familie. So gibt es, zusätzlich zu Familiengesprächen, Besuchszeiten und Belastungserprobungen, die Angebote der Familienergotherapie oder Familienphysiotherapie sowie einer Multifamiliengruppe, die vierzehntägig stattfindet.

Zwei sehr erfahrene Therapeuten, die parallel auch in unserer Spezialambulanz Tic-Störungen/Tourette-Syndrom arbeiten, helfen, die Übergängen zwischen ambulanter und stationärer Therapie leichter und besser zu machen.

S4 - Spezialstation für Tic- und Zwangsstörungen.pdf

 

Allgemeine Informationen zu Tics

Als Tics werden im medizinischen Sinn plötzlich einschießende, von den Betroffenen nicht (oder nur schwer) steuerbare Bewegungen und/oder Lautäußerungen verstanden, die sich unregelmäßig wiederholen. Sie beginnen meist im Grundschulalter, können jedoch auch wesentlich früher oder später auftreten.
 
Zumindest bei einem Teil der Betroffenen sind die Tics vererbt. Da die Ursachen von Tics aber unklar sind, werden sie momentan rege beforscht. Aktuell geht man davon aus, dass ein „Zuviel an Dopamin im Gehirn“ eine wichtige Rolle spielt.
 
Wir unterscheiden motorische Tics und vokale Tics.
 
Motorische Tics (also Tics mit Bewegungen) sind zum Beispiel: Augenzwinkern, Grimassieren, Arm/Beinbewegungen, Schulterzucken und andere.
 
Vokale Tics können z. B. Räuspern, Husten, einfache Laute, aber auch Worte und ganze Sätze sein. Nur in seltenen Fällen kommt es zu den in den Medien so oft behandelten Schimpfworten.

Zu Beginn einer Tic-Störung kommt es meist zu einfachen motorischen Tics, wie Blinzeln oder Bewegungen im Oberkörperbereich. Vokale und/oder komplexere Tics können folgen.
Tics haben typischerweise einen schwankenden Verlauf in Häufigkeit, Stärke und Art. Für die vor allem längerfristigen (Wochen bis Monate) Schwankungen ist häufig keine Ursache erkennbar. Andererseits gibt es kurz- bis mittelfristige Verstärkung von Tics in bestimmten Schwellensituationen wie Kita-Wechsel, Einschulung, Umschulung, Wechsel auf eine weiterführende Schule, Wohnortwechsel, längeren ferienfreien Schulzeiten, Beginn der Pubertät oder ganz individuellen Stresssituationen für die Kinder und Jugendlichen, wie z. B. Trennung der Eltern, Ärger in der Schule, steigende Belastung, Stress mit Gleichaltrigen.
 
Häufig profitieren die Kinder und auch die Familien von einer sorgfältigen Aufklärung und umfangreichen Informationen zu Tic-Störungen/Tourette-Syndrom sowie einer Begleitung durch ein spezialisiertes Team durch die verschiedenen Erkrankungsphasen. Zusätzlich können Entspannungstechniken erlernt werden.
 
Bestehen bei den Kindern, meist ca. ab dem 10. Lebensjahr, Vorgefühle und/oder sind die Tics durch die Kinder/Jugendlichen zum Teil unterdrückbar, so können verschiedene verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze angewandt werden.
 
Nur ein Teil der Patienten benötigt im Laufe der Erkrankung Medikamente - nämlich dann, wenn die Kinder maßgeblich in ihrem kindlichen bzw. jugendlichen Alltag beeinträchtigt sind. Zum Beispiel gehen sie nicht mehr gern in die Schule, weil sie entweder von ihren Mitschülern, die die Krankheit nicht kennen, gehänselt werden oder weil die Lehrer sie schimpfen, weil sie durch ihr Verhalten stören. Oder aber die Muskelzuckungen sind so stark, dass sie Schmerzen verursachen. Andere Kinder werden beispielsweise durch das häufige Ausstoßen der Laute heiser. Auch gibt es Kinder, die andauernd von den Zuckungen betroffen sind, sodass sie sich nicht mehr aufs Spielen oder Lernen konzentrieren können und somit nicht mehr richtig am Leben teilnehmen können. In diesen Fällen geben sie oft selbst an, dass sie die Tics stören. Dann können Medikamente, zumindest zeitweise eine große Unterstützung sein. Ganz verschwinden die Tics meistens aber dadurch auch nicht, dennoch mindern sie die Beschwerden, sodass eine Teilnahme am normalen Kinder- und Jugendlichenleben wieder möglich wird.
 

Für Eltern

Liebe Eltern,

willkommen auf unseren Seiten der Spezialsprechstunde für Kinder und Jugendliche mit Tic-Störungen/Tourette-Syndrom. Auf den folgenden Seiten haben wir Informationen für Sie zusammengetragen, die Ihnen helfen sollen - ganz gleich, in welcher Lage Sie und Ihr Kind sich befinden.

Vielleicht wissen Sie ja noch gar nicht, ob Sie hier richtig sind und Ihr Kind wirklich Tics hat. Dann hilft Ihnen vielleicht unsere kleine Sammlung von Tics (siehe Checkliste-Tic/Tourette), die wir recht häufig in unserer Spezialsprechstunde sehen.

Vielleicht ist das auch genau Ihr Stichwort und Sie haben sich vielleicht dazu entschlossen, sich gemeinsam mit Ihrem Kind bei uns in der Spezialsprechstunde vorzustellen. Dann scheint evtl. die Information, was genau Sie erwartet, ganz sinnvoll (siehe Infos über unsere Spezialangebote).

Falls Sie sich schon bei uns vorgestellt haben, oder einfach so Interesse am Austausch mit anderen Betroffenen und Familien haben, dann ist vielleicht unsere Selbsthilfegruppe für Sie interessant.

Vielleicht sind Sie, egal, ob Sie bereits bei uns waren, interessiert an der Forschung in unserer Klinik.

Vielleicht sind Sie oder Ihr Kind auch gar nicht selbst betroffen und möchten nur ein paar allgemeine Informationen zu Tic-Störungen/Tourette-Syndrom.

Für alle Anmeldungen und Fragen wenden Sie sich bitte an unsere zentrale Anmeldung.

 

Herzliche Grüße,
Ihr Team der Spezialsprechstunde Tic/Tourette, Dresden.
 

Für Kinder/Jugendliche

Liebe Kinder und Jugendliche,

kennt Ihr das auch? Plötzlich zuckt der Mund oder blinzeln die Augen, ohne dass man es will? Oder auch nur steuern kann? Oder man stößt sogar einen Laut aus, räuspert sich, hustet, ohne eigentlich erkältet zu sein. Manchmal merkt man es nicht mal selbst und andere machen einen darauf aufmerksam oder sagen sogar, es störe sie.

Wenn Euch das oder Ähnliches (seht dazu gern unsere Checkliste-Tic/Tourette, in der wir aufgelistet haben, was wir von Kindern und Jugendlichen kennen) bekannt vorkommt, könnte es sein, dass Ihr sogenannte Tics habt (was das genau ist, könnt Ihr in den allgemeinen Informationen über Tics  lesen).

Aber keine Angst, auch wenn es für Euch momentan vielleicht nur schwer zu glauben ist, so geht es nicht wenigen Kindern und Jugendlichen um Euch herum genauso (einen Bericht von betroffenen Jungen findet Ihr bei den Betroffenenberichten). Einige haben nur einen einfachen Blinzeltic, andere hingegen sind stärker betroffen, haben mehrere Tics, oder einen starken oder sich abwechselnde, sie sehr störende Tics.

Falls Euch diese komischen, plötzlich einschießenden Bewegungen oder Laute etwas unheimlich sind, sie Euch stören, oder Ihr Euch einfach ein paar genauere Informationen und Hintergründe zu Euren individuellen Tics wünscht oder eine Beratung bezüglich eines speziellen Problems mit den Tics wünscht, könnt Ihr gern gemeinsam mit Euren Eltern bei uns vorbeischauen.

Gern könnt Ihr auch erst einmal, auch anonym mit uns über unsere Online-Sprechstunde Kontakt mit uns aufnehmen, und dann sehen wir weiter.

Wir hoffen sehr, Ihr findet viele nützliche Informationen auf unserer Seite, für weitere Anregungen, auch was Ihr Euch eventuell noch gewünscht hättet, sind wir sehr dankbar.
Vielleicht sehen wir uns ja bald mal persönlich in Dresden.

 

Herzliche Grüße,
Euer Team der Spezialsprechstunde Tic/Tourette, Dresden.
 

Mythen über Tics/Tourette-Syndrom

„Tourette Syndrom? Das sind doch die, die immer nur die Schimpfworte brüllen.“

„Der tickt doch nicht richtig.“

„Der will nur Aufmerksamkeit.“

„Der macht das mit Absicht, denn manchmal kann er es lassen.“

"Der macht das nur, um uns zu ärgern."

„Der ist behindert, ist dumm.“

„Der will nur stören.“

„Das liegt bestimmt an den Eltern, dass der so was macht.“
 

Betroffenenbericht

Franz (15 Jahre)

Mein Name ist Franz, ich bin 15 Jahre alt und habe das Tourette Syndrom. Ich besuche die 10. Klasse an einem Gymnasium in Dresden. In meiner Freizeit spiele ich gerne Handball und treffe mich mit Freunden. In der 1. Klasse, als ich ca. 6 Jahre alt war, habe ich angefangen meine Tics wahrzunehmen. Sie äußerten sich in Form eines Kopfnickens. Da die Tics noch nicht so sehr stark waren, sind wir damals noch nicht zum Arzt gegangen und wussten nicht, was ich genau hatte. Nach verschiedenen Maßnahmen, die alle mehr oder weniger Erfolg hatten, wurden wir zur KJP-Dresden überwiesen, bei der ich seit der 5. Klasse in Betreuung bin. In dieser Einrichtung wurde mein Tourette-Syndrom analysiert. In dieser Zeit habe ich schon mehrere Tests zur Intelligenz und Konzentration durchgeführt. In der 7. Klasse hab ich angefangen, Medikamente gegen mein Tourette zu nehmen. Am Anfang spürte ich die Nebenwirkungen in Form von starker Müdigkeit und Gewichtszunahme. Diese legten sich aber schnell und mittlerweile spüre ich keine Nebenwirkungen mehr. Trotz dieser Krankheit habe ich keinerlei Probleme in der Schule oder mit Freunden. Insgesamt beeinflusst mich das Tourette-Syndrom nur sehr gering und spielt in meinem Alltag außer durch die regelmäßigen Arztbesuche keine Rolle. Im Laufe der Zeit hat sich mein Umgang mit dieser Krankheit geändert. Am Anfang war ich noch etwas unsicher, wie ich anderen Leuten davon erzählen sollte, weil ich nicht wusste, wie sie es aufnehmen würden. Doch mit der Zeit konnte ich immer offener mit der Krankheit umgehen und sie akzeptieren. Ich denke durch diese Handhabung bereitet mir diese Krankheit auch keine Probleme und es fällt mir nicht schwer in meinem sozialen Umfeld davon zu berichten.

 

Rico und Lukas (beide 14 Jahre)

Rico ist 14 Jahre alt und besucht die 8. Klasse eines Gymnasiums in Brandenburg. Lukas ist ebenfalls 14 und besucht die 8. Klasse eines Gymnasiums in Dresden. Die Noten der beiden Jugendlichen sind gut und sehr gut. Beide sind gut integriert, haben viele Hobbys. Und sie haben noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind betroffen vom Tourette-Syndrom. Nein, sie rufen keine obszönen Worte, das tun die wenigsten mit dieser Krankheit, auch wenn das viele glauben.
Rico hat unter anderem eine Art lauten Schluckauf, zwinkert mit den Augen und tippt oft mit dem Fuß auf dem Boden auf. Lukas ist im Moment fast frei von Tics, außer ein paar gelegentlich auftretenden leichten Zuckungen im Gesichtsbereich.
Besonders intensiv sind Ricos Tics, wenn er angespannt oder aufgeregt, bzw. sich beobachtet fühlt.
Manchmal fällt es Anderen durch die andauernden Geräusche und im extremsten Fall Schreie aus voller Kehle bis zur Heiserkeit, zum Beispiel beim Orchesterspiel oder im Urlaub in einer Ferienwohnung schwer, zu verstehen, dass Rico nicht absichtlich stört oder andere nerven möchte. Er kann jedoch einfach nicht anders, kann seine Tics meist nicht steuern.
Begonnen haben die Zuckungen bei Rico als er ca. 7 Jahre alt war. Bei Lukas begann es auch so etwa in der ersten Klasse. Erste Symptome treten wirklich bei den meisten Kindern erstmalig mit dem siebten oder achten Lebensjahr auf.
Nach Besuchen bei einigen Spezialisten stand schließlich bei beiden die Diagnose fest: das Tourette-Syndrom. Das heißt, dass in einer Art Steuerzentrale für Bewegung im Gehirn bestimmte Abläufe anders funktionieren als bei Menschen, die das Tourette-Syndrom nicht haben. Dies führt zu unkontrollierten Lauten oder Bewegungen, ist oft mit weiteren Krankheiten wie ADHS und /oder Zwängen verbunden, führt häufig zur Ausgrenzung von Betroffenen.
Rico und Lukas bekommen beide Medikamente, die helfen, die Tics zu mindern. Zusätzlich lernen sie, besser mit ihnen umzugehen.
Mit der Intelligenz der Kinder und Jugendlichen hat das alles jedoch nichts zu tun, im Gegenteil. Viele Kinder mit Tourette-Syndrom sind sogar überaus schlau, zum Teil sogar überdurchschnittlich intelligent und/oder haben besonders künstlerische Talente. Unsere beiden Jungen besuchen beide ein Gymnasium, an dem viele ihrer Lehrer und Mitschüler mittlerweile das Tourette-Syndrom kennen. Sie respektieren und unterstützen die beiden, wie sie sind, auch wenn das für alle oft nicht ganz einfach ist. Leider gehören sie damit noch zu den Ausnahmen. Deshalb hoffen wir, Euch mit dieser kleinen Geschichte auf die Schwierigkeiten vieler anderer, vom Tourette- Syndrom betroffener Kinder, Jugendlicher, und junger Erwachsene aufmerksam machen zu können, die durch Eure Offenheit ein ganzes Stück kleiner werden können.

Selbsthilfegruppe

Therapeutisch geleitete Gruppe für Kinder und Jugendliche mit Tic-Störungen und ihre Eltern


Liebe Kinder, liebe Jugendliche, liebe Eltern,

alle zwei Monate trifft sich unsere Selbsthilfegruppe. Hier soll sich die Gelegenheit bieten, Kinder und Jugendliche mit gleichen Schwierigkeiten kennenzulernen, sich auszutauschen und sich noch besser zu informieren. Dies kann ein wichtiger Bestandteil zur Bewältigung der Erkrankung und ihrer Folgen sein und für Betroffene und ihre Angehörigen oft sehr entlastend wirken. Die Gruppe wird von zwei Fachkräften der Spezialsprechstunde für Tic- Störungen angeleitet. Wir bitten um verbindliche Anmeldung in unserer Ambulanz. Jede(r) ist herzlich willkommen!!
 

Checkliste-Tic/Tourette

Dies ist eine Sammlung von Tics, die wir von Patienten häufig hören. Natürlich gibt es noch viele mehr, und auch ganz spezielle Dinge, die nur ein einzelner Patient berichtet.
Allen Tics gemeinsam ist, dass sie die Kinder und Jugendlichen nicht oder nur schlecht steuern können. Sie kommen und gehen einfach so. Für eine gewisse Zeit können viele Betroffene einen Teil ihrer Tics unterdrücken.

  • Ich muss oft mit den Augen zwinkern.
  • Ich schneide mit dem Gesicht Grimassen, ohne dass ich es möchte.
  • Ich werfe meinen Kopf.
  • Ich werfe meine Schultern.
  • Ich bewege meine Arme, ohne dass ich es möchte.
  • Ich bewege meine Finger und Hände, ohne dass ich es möchte.
  • Ich muss manchmal meinen Bauch anspannen.
  • Ich muss meine Beine bewegen, ohne dass ich es möchte.
  • Ich spanne Teile meines Körpers an, ohne dass ich es möchte.

 

  • Ich berühre Körperteile.
  • Ich berühre andere Menschen.
  • Ich berühre andere Objekte.
  • Manchmal habe ich Probleme, Handlungen zu beginnen.
  • Ich verletze mich selbst.
  • Ich klopfe mit den Fingern oder mit der Hand.
  • Ich hüpfe.
  • Ich nestele an Gegenständen.
  • Manchmal mache ich mache ich komische/schweinische Gesten.

 

  • Ich mache Geräusche.
  • Ich grunze.
  • Ich räuspere mich.
  • Ich huste.
  • Ich schniefe.
  • Ich schnalze.

 

  • Ich wiederhole eigene Worte/Sätze.
  • Ich wiederhole fremde Worte.
  • Ich sage komische/schweinische Worte.
  • Ich beleidige andere.

 

  • Ich suche Streit.
  • Ich kann schlecht mit Dingen umgehen, die mir nicht passen.
  • Ich habe Wutausbrüche.
  • Ich provoziere.

Traumafolgestörungen

Unsere Spezialangebote und Anmeldung

Traumaambulanz

Seit dem 01.06.2014 behandelt die Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie gemeinsam mit Kollegen der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin in einer gemeinsamen Traumaambulanz Erwachsene, Jugendliche und Kinder. In diesem Rahmen besteht die Möglichkeit zur Diagnostik und Therapie von Traumafolgestörungen für das gesamte Altersspektrum.

Unsere Sprechstunde für Traumafolgestörungen wird daher ab dem 01.06.2014 im Haus 95 auf der Lukastraße 3, 01069 Dresden, zu finden sein.
Telefonisch sind Anmeldungen unter der 0351/41726750 möglich.

Traumaambulanz.pdf

 

Allgemeine Informationen

Es gibt Ereignisse, bei denen nahezu jeder Mensch mit intensiver Angst, Schrecken und Hilflosigkeit reagieren würde. Hierzu zählen z. B. Unfälle, Naturkatastrophen, Gewalterfahrungen, sexueller Missbrauch, Krieg, aber auch der plötzliche Tod eines nahen Menschen oder die Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Allerdings entwickelt nicht jeder, der einem solchen Ereignis ausgesetzt war, auch eine Traumafolgestörung. Die Erinnerung an das Ereignis bleibt zwar schmerzhaft, aber es kann als „vorbei“ eingeordnet werden, das Leben weitergehen. Manche Menschen jedoch finden nicht wieder zum normalen Alltag zurück, das Erlebnis verfolgt sie und bestimmt ihr Leben. Bilder des Geschehens drängen sich immer wieder auf, jedes Mal begleitet von intensiven Emotionen. Bestimmte Orte, Menschen, Themen werden vermieden, das Interesse an sozialen Aktivitäten lässt nach, man fühlt sich von anderen entfremdet. Manchmal können Einzelheiten des traumatischen Erlebnisses nicht erinnert werden. Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen und das Gefühl fortwährend in Alarmbereitschaft zu sein, tragen zu Erschöpfung und Unwohlsein bei.

Diese Menschen leiden an einer Traumafolgestörung. Treten die genannten Symptome des Wiedererlebens, der Vermeidung und der Übererregung etwa eine Woche bis ca. 6 Monate nach dem traumatischen Ereignis auf und halten sie für mindestens einen Monat an, spricht man von einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

Bei Kindern ab einem Alter von etwa 8-10 Jahren können in etwa die gleichen Symptome auftreten, bei jüngeren Kindern gibt es weniger eindeutige Reaktionen. Hier kann es z. B. vorkommen, dass ein Rückfall in bereits erfolgreich gemeisterte Entwicklungsstufen beobachtet werden kann (wieder einnässen, einkoten, Daumenlutschen, aber auch Wiederauftreten von Ängsten z. B. vor Dunkelheit oder Trennung von Bezugspersonen). Es kann ebenfalls sein, dass Kinder vermehrt aggressiv reagieren, über Schmerzen klagen, sich zurückziehen oder in ihren Schulleistungen nachlassen. Manchmal lässt sich ein Spielverhalten beobachten, in dem immer wieder das Gleiche gespielt wird (z. B. Unfälle mit Spielzeugautos) ohne dass die Geschichte eine Lösung enthält. Gemeinsam ist allen Symptomen, dass sie erst nach dem traumatischen Erlebnis auftreten und die altersgemäße Entwicklung behindern, die Lebensqualität deutlich einschränken. In der Folge können bei Kindern und Erwachsenen weitere Probleme entstehen, z. B. Schuldgefühle und –gedanken, selbstverletzendes Verhalten, Substanzmissbrauch. Es kann zu Beziehungsabbrüchen kommen oder auch die schulische/berufliche Laufbahn gefährdet sein.

Gerade weil die Symptome häufig so unterschiedlich sind und manchmal auch zuerst Folgesymptome auffällig werden, ist eine genaue Diagnostik erforderlich.

In der Diagnostik wird neben der Untersuchung der Traumageschichte und der Traumasymptome auch Wert auf die Einschätzung der aktuellen Sicherheit und Stabilität gelegt, denn diese bilden die Vorraussetzung für eine spätere Traumatherapie.

In der Therapie von Traumafolgestörungen gibt es verschiedene Methoden. Allen gemeinsam ist jedoch, dass nach einer Phase der Stabilisierung eine intensive Auseinandersetzung mit dem traumatischen Erlebnis erfolgt, bevor abschließend das Erlebnis in die eigene Lebensgeschichte eingebettet wird.

Die Spezialambulanz wird von Oberärztin Dr. Weiß geleitet.
 

Für Eltern

Viele Kinder machen im Laufe ihrer Entwicklung schmerzhafte Erfahrungen. Diese sind jedoch nicht immer traumatisierend und manchmal sogar für die Entwicklung der Persönlichkeit nützlich, wenn aus einer Krise das Selbstbewusstsein entsteht, diese meistern zu können. Wie im Abschnitt Allgemeines beschrieben, gibt es aber Erlebnisse, deren Folgen manchmal nicht allein bewältigt werden können.

Für traumatisierte Kinder ist es vor allen Dingen (auch vor einer Therapie!) wichtig, ein stabiles, unterstützendes und Sicherheit vermittelndes Umfeld zu haben, gerade weil das Vertrauen in die eigene Sicherheit durch ein traumatisches Ereignis oft schwer erschüttert wurde. Aus diesem Grund ist die Einbeziehung von Bezugspersonen in Diagnostik und Therapie sehr wichtig.

In der Diagnostikphase werden neben einer allgemeinen diagnostischen Abklärung (Lebenssituation, Vorgeschichte, Fremd- und Selbstbeurteilung von Verhalten und Erleben, Ausschluss körperlicher oder neurologischer Probleme, evtl. psychologische Testverfahren) auch traumarelevante Daten erhoben (Art des Traumas, traumarelevante Symptome, Grad der Belastung).

Die Ergebnisse der Diagnostikphase werden mit Ihnen und Ihrem Kind/Jugendlichen besprochen und das weitere Vorgehen geplant.

Therapeutisch behandeln wir nach einem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansatz, es finden aber Inhalte auch aus anderen Behandlungskonzepten Anwendung.

Zu Beginn einer Therapie ist es wichtig, alle Beteiligten über die Störung aufzuklären. Kinder und Eltern entlastet es meist schon zu wissen, dass die Symptome verständlich und erklärbar sind, dass sie also nicht „unnormal“ reagiert haben und dass es Behandlungsmöglichkeiten für die Probleme gibt. Weil die belastenden „Bilder“ und Empfindungen meist überfallartig kommen und sich Kinder und Eltern oft hilflos dem ausgesetzt sehen, ist ein weiterer Schritt der Umgang mit Emotionen und Körperempfindungen. Dies soll den Anfang einer aktiven Auseinandersetzung mit problematischen Erinnerungen unterstützen, es geht darum, Kontrolle über Empfindungen zu erlangen, statt ihnen hilflos ausgeliefert zu sein. Mit den gefestigten und vielleicht auch neu erworbenen Kompetenzen können sich nun Kinder noch einmal mit dem traumatischen Erlebnis auseinander setzen. Hauptziel dabei ist das Verorten der Erlebnisse in der Vergangenheit und das Erleben, dass das Kind im „Hier und Jetzt“ in Sicherheit ist. Die Gedanken, die ein Kind im Zusammenhang mit dem Trauma hat, sind Gegenstand eines weiteren Schrittes der Therapie sowie der Zusammenhang von Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen. Am Ende einer erfolgreichen Therapie werden Erinnerungen an das traumatische Geschehen immer noch schmerzhaft sein, aber das Leben kann weitergehen.
 

Für Kinder/Jugendliche

Wenn jemand etwas schlimmes erlebt hat, kann er/sie das oft lange nicht vergessen und wird nur sehr ungern daran erinnert. Gespräche, Bücher, Filme, Orte und Dinge die mit dem Erlebnis zu tun haben, werden vermieden. Doch manchmal kommen einfach die Gedanken und Gefühle und man wird sie oft auch im Schlaf nicht mehr los. Es fällt schwer, sich in der Schule zu konzentrieren, sich an Dingen, die bisher schön waren, zu freuen und manchmal fühlt es sich so an, als würde etwas Schlimmes passieren.

Es ist gar nicht so selten, dass Kinder und Jugendliche so etwas erleben und vielleicht bist du ja auf dieser Seite gelandet, weil es dir genau so geht. Bei uns kann man über seine Probleme sprechen und versuchen, Lösungen dafür zu finden.

Vielleicht denkst du: „Das ganze war doch schon schlimm genug, ich will es vergessen und nicht darüber reden“. Das ist verständlich aber leider ist das mit dem Vergessen manchmal nicht so einfach. Stell dir vor, du hast einen Holzsplitter im Daumen. Es tut weh, wenn du den Daumen berührst. Den Splitter entfernen tut also auf jeden Fall weh, aber wenn er drin bleibt, entzündet sich vielleicht die Wunde, eitert und schmerzt irgendwann immer mehr.

Weil man nicht jeden einfach so an eine „Wunde“ ranlässt, schlagen wir vor, uns erst einmal kennen zu lernen. Du entscheidest, was du erzählen möchtest und wir können erklären, was bei uns so gemacht werden kann.
 

Mythen über Traumafolgestörungen

"Die müssen einfach nur die Vergangenheit vergessen."

"Jeder, der was schlimmes erlebt hat, bekommt eine Posttraumatische Belastungsstörung und braucht eine Traumatherapie."

"Nur, wenn man ein Opfer von Gewalt war, kann man eine Posttraumatische Belastungsstörung bekommen."
 

Zwangsstörungen

Zentrum für Tic- und Zwangsstörungen

Ein Vormittag in der Spezialsprechstunde für Zwangsstörungen in Dresden

Zuerst findet ein telefonischer Vorkontakt mit unserer Ambulanz statt. Hier werden die Zwänge und weitere Probleme grob erfragt und ein Vorstellungstermin bei uns vereinbart. Unsere Spezialsprechstunde findet in der Regel donnerstags 8 Uhr statt. Beim Erstkontakt nehmen wir uns extra viel Zeit für Sie (2-3 Stunden).

Im Vorfeld wird Ihnen ein Diagnostikpaket in Form von Fragebögen zugesandt, welches Sie uns bitte vor dem Termin zurücksenden. Auch werden Sie gebeten, alle Vorbefunde und Briefe, die Ihnen vorliegen, sowie die Zeugnisse, Untersuchungsheft, einen Schulhefter (zum Einschätzen der Schrift) und Impfpass zum Termin mitzubringen (Details siehe Zentrale Anmeldung).

Generell sind wir beim Erstkontakttermin zu zweit, d. h. eine Ärztin und eine Psychologin sind im Doppelpack für Sie da. Im Erstkontakttermin lernen wir Sie und Ihr Kind kennen, erfassen ausführlich die Symptomatik und mögliche „Nebenbaustellen“, geben Ihnen viel Zeit, Ihre Sorgen und Wünsche zu formulieren. Zusätzlich erheben wir eine ausführliche Anamnese.

Nach einer kurzen Beratungspause erfolgt in der Regel eine ausführliche Aufklärung und Information, die wir nach Ihren individuellen Bedürfnissen und Anliegen gestalten, sowie eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen. Eventuell empfehlen wir Ihnen weiterführende Diagnostik- und Therapieangebote, nach Absprache auch bei uns in Dresden.

Danach geht der ereignisreiche Vormittag zu Ende.

A2a - Spezialambulanz für Tic- und Zwangsstörungen.pdf

 

Allgemeine Informationen

Hauptmerkmale einer Zwangsstörung sind immer wiederkehrende Zwangsgedanken (d. h. Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die sich einem immer wieder aufdrängen, den Betroffenen beschäftigen und nur sehr schwer zu ignorieren sind) und/oder Zwangshandlungen (d. h. wiederholte, bewusst durchgeführte Verhaltensweisen, die fast immer auf einen Zwangsgedanken hin mit einem ganz genauen Ablauf und gleichen Regeln ausgeführt werden). Anders formuliert: Auslöser der Zwangshandlung ist meist eine Befürchtung, die durch die zwanghaften Verhaltensweisen reduziert oder ganz verschwinden soll. Im Allgemeinen erkennen die Betroffenen (ab einem gewissen Lebensalter), dass ihr Verhalten übertrieben oder unvernünftig ist. Es wird häufig ein subjektiv hoher Leidensdruck durch die Zwangsstörung berichtet.

Bei Kindern, aber auch bei manchen Jugendlichen, werden die Symptome der Zwangserkrankung nicht so klar als unvernünftig, störend etc. erlebt und geschildert. Die häufigsten Zwangsthemen bei Kindern und Jugendlichen sind Schmutz/Ekel/Angst vor Krankheiten und Unordnung/fehlende Symmetrie. Zusätzlich finden sich häufiger aggressive oder gewalttätige Vorstellungen und die Angst, sich selbst oder andere zu verletzen, auf den eigenen Körper bezogenen Gedanken sowie religiöse oder sexuelle Inhalte. Um diesen negativen Gefühlen und Befürchtungen entgegenzuwirken führen die betroffenen Kinder und Jugendlichen dann Waschzwänge, Kontrollzwänge, Wiederholungszwänge, Ordnungs- und Zählzwänge durch.

Studien zur Entstehung von Zwangserkrankungen weisen auf erbliche, neurophysiologische und biochemische Auffälligkeiten bei Patienten mit Zwangsstörung hin. Obwohl der Beginn der Erkrankung häufig gut benannt werden kann, ist meist kein auslösendes Ereignis klar erkennbar.

Bei Verdacht sollte unbedingt eine differenzierte Diagnostik durchgeführt (kinderpsychiatrisch, körperlich-neurologisch, testpsychologisch) und bei gesicherter Diagnose ausführlich beraten und ggf. eine entsprechende Behandlungsempfehlung ausgesprochen werden. Häufig beinhaltet dies eine psychotherapeutische Behandlung ggfs. in Kombination mit einer Medikation. Die Verhaltenstherapie ist die effektivste Therapieform bei Zwangsstörungen. Hinsichtlich der Medikation sind Serotonin-Wiederaufnahmehemmer die Mittel der 1. Wahl.
Als Ansprechpartner steht Oberärztin Dr. Weiß zur Verfügung.

Kontakt

Zentrale Anmeldung
Tel. (0351) 458 35 76
Fax (0351) 458 73 18

 

Für Eltern

Liebe Eltern,

willkommen auf unserer Seite zu unserem Behandlungsschwerpunkt Zwangsstörungen. Auf den folgenden Seiten haben wir Informationen zusammengetragen, um Ihnen und Ihrem Kind einen Eindruck davon zu geben, was Sie bei uns erwarten wird.

Es ist nicht unüblich, dass v. a. betroffene Kinder und Jugendliche vor einem kinder- und jugendpsychiatrischen Untersuchungstermin bange ist. Sollte eine Behandlung notwendig sein, ist natürlich eine entsprechende Bereitschaft der Eltern notwendig. Bei Kindern und Jugendlichen kann diese oft zu Beginn fehlen. Dann findet zunächst einmal in einer diagnostischen Phase auch der Aufbau einer Behandlungsmotivation statt. Dabei werden Sie und Ihr Kind von unserem Arzt-Psychologen-Team der Spezialsprechstunde ausführlich beraten.

Wir appellieren gerade an Sie als Eltern, nicht zu lange zu warten, bevor Sie sich professionelle Hilfe suchen. Denn leider erleben wir immer wieder sehr verzweifelte Eltern, die sich an uns wenden, weil es so schlimm geworden ist, dass ihr Kind vor lauter Zwängen das eigene Zimmer oder die Wohnung nicht mehr verlassen kann. Wenn wir dann nach dem Beginn der Symptomatik fragen, sind wir oft erschrocken von dem zum Teil schon jahrelangen Verlauf.

Da die Symptome in der vollen Ausprägung fast immer nicht über Nacht kommen, sondern sich Stück für Stück ausbreiten, merken Familien oft gar nicht, wie sehr sie vielleicht im Lauf der Zeit in die Rituale eingebunden werden und es dann sogar normal empfinden, dass niemand mehr das betroffene Kind anfassen darf, es seine eigenen Lebensmittel im Zimmer hat oder auch eine Stunde jeden Tag duscht und dabei 2 Flaschen Duschgel verbraucht.

Oft fängt es mit kleinen Zugeständnissen an („dann wasche ich halt seine Sachen extra“, „dann geht eben niemand vor ihm auf die Toilette“, „dann bekommt er halt nur abgepackte Wurst“), weil die Eltern ja auch spüren, wie sehr das eigene Kind unter Druck und Spannung gerät und sie es dem Kind leichter machen wollen. Leider wird es dadurch nur schlimmer, weil der Zwang immer mehr Macht und Platz im Alltag bekommt und sich immer weiter ausbreitet.

Deswegen bitte melden Sie sich, wenn Sie das Gefühl haben, dass vieles von dem von uns beschriebenen Verhaltensweisen auch auf Ihr Kind zutrifft.
 

Für Kinder/Jugendliche

Liebe Kinder und Jugendliche,

wir freuen uns darauf, Dich und Deine Familie bei uns begrüßen zu dürfen.

Keine Angst, auch nicht vor dem ersten Termin. Der ist ganz harmlos, denn es wird erstmal nur darüber gesprochen, was Euch herführt und wir machen dann einen Vorschlag, was wir an weiteren Terminen sinnvoll finden. Dazu gehört meistens ein bisschen was an medizinischen Untersuchungen dazu (z. B. ist es wichtig, die Hirnströme zu messen; das ist das sogenannte EEG, es ist gar nicht schlimm oder schmerzhaft, sondern wie das Aufsetzen einer Bademütze!), aber auch Gesprächstermine und ein paar Tests (z. B. Test zur Überprüfung der Konzentrationsfähigkeit, um zu gucken, wie stark ausgeprägt die Symptome bei Dir sind oder ob sie Dich beim Lernen aufhalten). Mit Deinen Eltern wird auch lange gesprochen, denn die können meistens nur schwer verstehen, was mit und in Dir los ist. Zum Beispiel, dass es ganz schwierig ist, den Zwängen nicht nachzugeben.

Wenn Du uns etwas im Vertrauen erzählst, müssen und werden wir das für uns behalten und dürfen es den Eltern nicht gleich weiterplaudern. Alles bleibt unter uns, wenn Du es so willst. Einzige Ausnahme: wir machen uns ernste Sorgen, dass Du Dir oder jemand anderem etwas antust.

Auf jeden Fall wissen wir, dass es manchmal sehr schwer ist, mit Fremden über private Dinge zu sprechen. Aber Dir muss nichts peinlich sein, da wir schon so viele Zwänge gehört haben! Deswegen ist uns klar, dass Du uns auch nicht von Anfang an alles berichten wirst und willst. Je besser das mit der Zeit klappt, desto besser können wir Dir natürlich dann aber auch helfen. Solltest Du schon relativ schwere Zwänge haben, ist die Behandlung übrigens unter Umständen ganz schön schwer. Aber wir lassen Dir und uns Zeit. Wichtig ist erstmal, dass Du bereit dazu bist, Dich behandeln zu lassen. Denn das ist sehr wichtig. Von alleine gehen die Zwänge leider so gut wie nicht weg und wir wissen, dass die Zwänge einen ganz schön plagen können und das Leben ohne sie doch schöner ist. Wir wollen eigentlich alle Betroffenen ambulant behandeln, d. h. Du kommst zu den Terminen und danach gehst Du wieder nach Hause. Manchmal sind die Umstände aber so kompliziert, dass wir vorschlagen, dass ein Aufenthalt auf einer unserer Stationen für eine gewisse Zeit sinnvoller ist. Das kann auch sehr hilfreich sein, da kann man sich dort nämlich unter Umständen besser auf sich selbst und die Behandlung konzentrieren kann. Eine Klinikschule gibt es übrigens bei uns auch.

Bis bald in der Spezialsprechstunde für Zwangsstörungen! Nur gemeinsam werden wir Deine Zwänge in den Griff bekommen.
 

Mythen über Zwangsstörungen
  • Das verwächst sich schon.
  • Der soll das einfach mal lassen, das kann doch nicht so schwer sein.
  • Der macht das, um uns zu ärgern und nerven.
  • Der will nur Aufmerksamkeit bekommen.
  • Wir haben etwas in der Erziehung falsch gemacht.
  • Wir müssen die Ernährung umstellen, damit das wieder aufhört.
  • Ich hatte als Kind auch so ein paar Marotten, das ist nicht schlimm.
  • Das Kind ist verrückt und wird bestimmt auf der geschlossenen Station aufgenommen werden müssen.
Betroffenenbericht

Erfahrungsbericht von Familie G. aus Rostock

Nach langer Odyssee (fast ein Jahr) und großer Ratlosigkeit auf allen Seiten sowie einigen Fehldiagnosen haben wir mit unserem 11-jährigen Sohn in der KJP der TU Dresden endlich professionelle Hilfe bekommen. Da das Störungsbild unseres Sohnes sehr komplex ist (war), stellte sich die Diagnostik als kompliziert dar. Unserem Sohn konnte hier aber letztlich gut geholfen werden. Ein wohl durchdachtes stationäres Konzept (Verhaltenstherapie, zwei Mal pro Woche Familienergotherapie und vieles mehr - nicht zuletzt die wöchentlichen Familiengespräche, in denen wir unsere Sorgen mitteilen konnten) haben zu großen Erfolgen geführt. Wir sind sehr froh und auch sehr dankbar, dass unserem Kind hier so hervorragend geholfen werden konnte und ihm Wege aus seiner Erkrankung aufgezeigt wurden. Dem wunderbaren Team von Herrn Professor Rößner (Ärzte, Psychotherapeutin, Ergotherapeutin und dem tollen Pflegeteam) möchten wir hiermit herzlich danken. Bei der rundum liebevollen Betreuung konnte selbst das Heimweh nach Rostock nicht allzu groß werden.
 

Erfahrungsbericht von Familie K. aus Dresden

Our daughter (16 years old) was in the „Station für Tic- u. Zwangsstörungen“ of the “Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie“ at the University hospital of TU Dresden during four months. At the moment of admission she had severe neurosis and her condition was very bad. The courses of outpatient treatment were unsuccessful. She was not able to attend the school for 5 months and situation changed for the worse. In the Station 4 our daughter received proper pharmacological treatment and specialized psychotherapy. In our opinion, the idea and the realization of this specialized ward are excellent. The work of the Station 4 personnel gave very positive results and drastic reduction/disappearance of almost all symptoms of the disease. Our daughter returned to the normal life. During this time, our daughter get a lot of sports and physiotherapy.  It improved much her physical status as well. Now she attends school (it is almost two months to this oment) and her scores are only one and two.
We would like to thank all personnel of the „Station für Tic- u. Zwangsstörungen“, who made it possible. Especially, we wish to express our sincere gratitude to the psychotherapist Ms.Teubert whose qualified work helped a lot to our daughter.
 

Links/weiterführende Literatur

Hier finden Sie Links zu verschiedenen Angeboten für Betroffene:

 

Checkliste-Zwangsstörungen

Hier sind ein paar Beispiele typischer Zwangshandlungen oder -gedanken:

  • Ich habe das Gefühl, dass meine Hände schmutzig werden, wenn ich Geld, Bücher oder Spielsachen anfasse.
  • Mir fällt es schwer, einen Gegenstand zu berühren, wenn ich weiß, dass er von Fremden oder gewissen Leuten berührt wurde.
  • Ich vermeide es, öffentliche Toiletten (z. B. in der Schule) zu benutzen, weil ich Angst vor Verschmutzung oder Ansteckung habe.
  • Ich muss mich intensiv und ausgiebig waschen, weil ich glaube, verunreinigt oder schmutzig zu sein.
  • Wenn ich etwas anfasse, von dem ich glaube, dass es verunreinigt ist, muss ich mich sofort waschen.
  • Beim Waschen und beim An- und Ausziehen muss ich eine spezielle Reihenfolge einhalten (z. B. erst rechte, dann linke Hand waschen).
  • Ich muss Dinge mehrmals machen, bis ich glaube, dass sie ordentlich gemacht sind.
  • Ich neige dazu, Dinge mehr als nötig zu kontrollieren.
  • Ich kontrolliere Wasserhähne, Lichtschalter oder Elektrogeräte mehrmals, nachdem ich sie ausgeschaltet habe.
  • Ich gehe nochmals ins Haus, um zu schauen, ob Türen, Fenster oder Schubladen richtig zu sind.
  • Ich schaue ständig nach, ob Streichhölzer, Kerzen, Zigaretten usw. wirklich erloschen sind.
  • Ich muss manche Handlungen ständig wiederholen, bis ich ein gutes Gefühl habe.
  • Ich habe eine bestimmte Zahl, bis zu der ich häufig zählen muss oder nach der ich Dinge häufig machen muss.
  • Ich zähle, während ich etwas Alltägliches mache.
  • Ich verspäte mich oft, weil ich mit vielen Dingen nicht rechtzeitig fertig werden kann.
  • Ich mache etwas Bestimmtes oder spreche auf eine bestimmte Weise, um Unheil oder Pech zu vermeiden.
  • Ich muss bestimmte Zahlen oder Worte sagen, weil es Pech oder schlechte Dinge von mir fernhält.
  • Manchmal gehen mir Gedanken oder Worte immer und immer wieder durch den Kopf, und ich kann nichts dagegen tun.

Bei Erwachsenen müssen neben dem Vorliegen mehrerer dieser Symptome verschiedene Kriterien erfüllt sein, um die Diagnose Zwangsstörung vergeben zu können:

  • Es müssen mehrere Symptome an den meisten Tagen und über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen auftreten.
  • Sie müssen sich andauernd wiederholen, als eigene Gedanken/Handlungen angesehen werden (im Gegensatz dazu als von anderen Personen oder Einflüssen eingegeben), als unangenehm empfunden werden und Leidensdruck erzeugen.
  • Das Durchführen erzeugt womöglich eine kurzzeitige Erleichterung, die Handlung wird jedoch an sich nicht als angenehm empfunden.

Bei Kindern und Jugendlichen können diese Kriterien entweder nicht ausreichend gut berichtet werden bzw. werden von diesen anders empfunden. Daher muss hier ein Fachmann mit Erfahrung bei Kindern und Jugendlichen zu Rate gezogen werden.